Frankfurt bekommt einen Tech-Spielplatz: TUMO macht das Einkaufszentrum zum Lernort

von | Apr. 16, 2026

TUMO Frankfurt Lernzentrum im Nordwestzentrum – moderner, offener Workspace mit mehreren Ebenen und Tech-Arbeitsplätzen

Zwischen Fast-Fashion und Starbucks-Kaffee taucht plötzlich die Möglichkeit auf, Roboter zu basteln, Spiele zu entwickeln und Filme zu Produzieren. Für alle zwischen 12 und 18 Jahren. Kostenlos. Klingt fast zu gut um wahr zu sein, ist aber im TUMO Lernzentrum im Frankfurter Nordwestzentrum ganz real.

Wir waren bei der Eröffnung, haben uns eine Menge Reden angehört, Schnittchen gegessen, Hände geschüttelt und uns die Räumlichkeiten angesehen. Und ehrlich gesagt sind wir ganz schön beeindruckt von dem, was all die beteiligten Personen da auf die Beine gestellt hat. Aber lies selbst:

2000 Quadratmeter Freiraum im TUMO Lernzentrum

Das Konzept stammt ursprünglich aus Armenien, wo 2011 das erste Lernzentrum aufmachte. (An dieser Stelle ein Hinweis in eigener Sache: in der nächsten subzeroes-Ausgabe gibt’s ein spannendes Interview, für das wir sogar extra nach Armenien gereist sind!) Mittlerweile gibt’s knapp 20 weltweit, sieben davon in Deutschland. Das Interessante am Ansatz: Es gibt keine Zeugnisse, keine Klausuren, keinen Leistungsstress. Die Jugendlichen kommen einfach zweimal die Woche für jeweils zwei Stunden vorbei, suchen sich aus acht Bereichen aus, worauf sie Bock haben – von 3D-Modelling über Animation bis hin zu Musikproduktion – und legen mit dem Lernen los.

Alles, was normalerweise für viele Jugendliche finanziell außer Reichweite liegt, steht hier einfach bereit. Die Hardware umfasst Hochleistungsrechner, Kameras, Robotik-Kits und vieles mehr. Da wird man fast schon neidisch, weil man Erwachsen ist!

Am 21. Mai geht’s offiziell los mit dem Angebot. Bis zu 1000 Jugendliche pro Woche können dann durch die fancy Räumlichkeiten im Nordwestzentrum spazieren und Projekte in den Unterschiedlichen Bereichen durchführen. Die Anmeldung läuft bereits über diesen Link – und nein, es gibt keine Zugangsvoraussetzungen. Weder Notenschnitt noch Postleitzahl sind relevant.

Bildschirm und moderne Ausstattung im TUMO Lernzentrum für Jugendliche

Mehr als nur Tech-Skills

Bei TUMO geht es um echte Projekte, um Austausch, um das Ausprobieren. Die Besucher:innen sollen nicht einfach vorm Rechner sitzen und Youtube-How-To’s anschauen, sondern selbst aktiv werden. Der soziale Aspekt wird dabei explizit mitgedacht, denn TUMO soll auch ein Treffpunkt für die Jugendlichen sein, nicht nur ein Ort zum Lernen.

Das soll auch die Architektur widerspiegeln: Offene Räume, eine breite Holztreppe als Sitzlandschaft, gläserne Workshop-Cubes. Erwachsene nennen das „moderne Lernumgebung“, Jugendliche vermutlich einfach „nice“.

Finanzierung durch Gemeinschaft

Das Projekt läuft über die VHS Frankfurt und wird vom Förderverein getragen, der bislang 3,5 Millionen Euro für die ersten drei Jahre eingesammelt hat. Die Stadt übernimmt die Miete im Nordwestzentrum, der Rest kommt von Stiftungen, Unternehmen und engagierten Menschen. Crespo Foundation, DZ Bank Stiftung, Stiftung Polytechnische Gesellschaft, Rotary Club – die Liste ist lang. Dass so viele mitmachen, zeigt: Das Vertrauen, dass das ganze Vorhaben funktioniert, ist da.

Die Angebote von TUMO konzentrieren sich auf zukunftssichere Fähigkeiten und Trendfächer. TUMO schreibt Our mission is to create life-changing learning experiences on a large scale – und das scheint zu funktionieren:

In einer Studie verglich man eine umfassende Datenbank zufällig ausgewählter TUMO-Schüler:innen und -Absolvent:innen mit einer streng ausgewählten Vergleichsgruppe, wobei sozioökonomischer Hintergrund, Alter und Geschlecht berücksichtigt wurden. Bei den schulischen Leistungsergebnissen wurden Schüler:innen, die seit über einem Jahr bei TUMO waren, mit anderen Schüler:innen verglichen, die gerade erst beigetreten waren, um Verzerrungen durch Selbstselektion auszuschließen¹. Die Ergebnisse sprechen für sich:

  • 70 % höhere Wahrscheinlichkeit, an der Universität zu den Besten ihres Jahrgangs zu gehören
  • 50 % höhere Wahrscheinlichkeit, täglich mehr als eine Stunde mit persönlichen Projekten zu verbringen
  • 200 % höhere Wahrscheinlichkeit, in der Schule hervorragende Noten zu erzielen
  • 22 % höhere Wahrscheinlichkeit, sich selbstständig neue Fähigkeiten anzueignen
  • 50 % höhere Wahrscheinlichkeit, mehr als das Dreifache des nationalen Durchschnittsgehalts zu verdienen
  • 350 % höhere Wahrscheinlichkeit, im Tech-Bereich zu arbeiten
  • 89 % der Absolvent:innen empfanden das Programm als hilfreich beim Erreichen der Ziele, die sie bei ihrem Einstieg hatten

Ob daraus wirklich „die IT-Fachkräfte von morgen“ werden, wie Oberbürgermeister Mike Josef hofft? Wer weiß. Vielleicht wird auch einfach nur ein Haufen Jugendlicher die Chance bekommen, Dinge auszuprobieren, für die es sonst in Alltag und Schule keine Möglichkeit gibt. Das wäre schon mal ein stabiler Anfang!


¹ Die Daten stammen von der offiziellen TUMO Seite

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