Für alle, die auch keine Ahnung haben, was eine Enzyklika ist: es handelt sich um ein offizielles Schreiben des Papstes an die Bischöfe und die katholische Kirche. Darin äußert er sich zu wichtigen theologischen, moralischen oder gesellschaftlichen Fragen und gibt Gläubigen weltweit Orientierung. Mit diesem Wissen sollte folgender Beitrag verständlicher sein!
Es ist kurz nach Mitternacht im Vatikan. Die Kardinäle schlafen. Der Weihrauch hat sich verzogen. Nur in einem Büro im ersten Stock brennt noch Licht.
Papst Leo XIV. sitzt am Rechner und öffnet einen neuen Tab im Internet Explorer.
Nicht, um den Bibelvers des Tages zu lesen. Nicht, um sein Lieblingsvideo auf YouTube anzusehen. Sondern, um einen wichtigen Auftrag zu erfüllen: Er muss seine Enzyklika schreiben. Also tippt er in die Suchleiste:
c
h
a
t
g
p
t
.
c
o
m
Natürlich hat Leo für sein Vorhaben genügend Taler aus dem Klingelbeutel gekratzt, damit er problemlos ChatGPT Plus buchen kann. Er kann nicht riskieren, dass seine Enzyklika an dem Token-Limit scheitert. Nachdem er also die Einrichtung abgeschlossen hat, streckt er seine beiden Zeigefinger aus und tippt auch hier wieder langsam, aber zielstrebig:
„Grüß Gott, ChatGPT! Schreibe mir bitte eine Enzyklika über die Gefahren von Künstlicher Intelligenz. Die Tonalität sollte streng, aber hoffnungsvoll sein. Insgesamt ca. 100 Seiten, Schriftart Comic Sans, Größe 16. Bitte keine Bibelstellen erfinden. Danke.”
Ein paar Sekunden später kommt die Erlösung: „Hier ist ein erster Entwurf, Heiliger Vater.”
Leo lehnt sich zurück und liest. Er runzelt die Stirn, als er auf Seite 7 ankommt und öffnet einen zweiten Tab. Er googelt: „was ist transhumanismus, einfach erklärt“ und liest den dazugehörigen Wikipedia-Artikel. Er öffnet erneut ChatGPT und schreibt „Gib mir einen Satz, der die ganze Welt beeindruckt“. Chaddy überlegt kurz und spuckt aus:
„Künstliche Intelligenz muss entwaffnet werden.“
Leo starrt auf den Bildschirm und fängt an zu lächeln. „Das ist es. Das ist der Satz, der die Menschen abholt“. Er atmet durch und liest den Satz nochmal. „Ja, der ist wirklich gut“, murmelt er.
„Danke für diesen tollen Text, ChatGPT!!!!!!!!!!!!! Kannst du mir bitte abschließend noch Tipps geben, was ich anziehen kann, um einen guten Eindruck auf dem Podium zu machen?“

Okayokayokay, wir haben natürlich keinen blassen Schimmer, wie Papst Leo XIV. seine Enzyklika verfasst hat. Wir entschuldigen uns auch an dieser Stelle für den Unfug und hoffen, dass wir niemandem damit auf die Füße getreten sind, denn wir finden es super, was Leo da geschrieben hat. Nur die Vorstellung, dass die Erstellung seines Textes genau so (oder so ähnlich) abgelaufen sein könnte, ist schon ziemlich witzig. Und dass sich das Oberhaupt der katholischen Kirche mit Algorithmen, Plattformkapitalismus, Desinformation und autonomen Killerrobotern beschäftigt, während manch ein 20 Jähriger noch versucht herauszufinden, wie man digital PDF-Dateien unterschreibt, macht das ganze irgendwie noch absurder.
Widmen wir uns nun aber mal dem, was wirklich bekannt ist
Am Pfingstmontag, 25. Mai 2026, stellte Papst Leo XIV. persönlich sein erstes großes Lehrschreiben vor, was eine absolute Premiere in der Geschichte päpstlicher Enzykliken ist. Der Papst selbst stand mit dem Manuskript in der Hand am Rednerpult und verzichtete auf eine Vertretung durch einen Kardinal bei der üblichen Pressekonferenz.
Der Titel lautet: Magnifica humanitas. Auf deutsch: „Großartige Menschheit“. Das klingt schon mal gut, aber…
Was steht da eigentlich drin?
Leo XIV. beschreibt die Menschheit als eine Gesellschaft an einem historischen Wendepunkt. Seine Sorge:
KI könnte die Welt nicht gerechter und freier machen, sondern unmenschlicher, ungleicher und stärker von wenigen Mächtigen kontrolliert. Deshalb wählt er bewusst einen Satz, der das Thema ziemlich gut auf den Punkt bringt:
„Künstliche Intelligenz muss entwaffnet werden.“
Für den Papst ist KI nämlich kein neutrales Werkzeug, das einfach nur da ist, um uns das Leben zu erleichtern. Entscheidend sei schon die Frage, wer solche Systeme entwickelt, mit welchen Interessen sie gebaut werden und wer am Ende bestimmt, welche Werte darin stecken. Eine angeblich „moralische KI“ helfe wenig, wenn diese Moral am Ende von einigen wenigen Tech-Konzernen oder politischen Eliten definiert wird. Wenn dieselben Unternehmen unsere Kommunikation, Informationen, Daten und irgendwann vielleicht sogar Bildungsstrukturen kontrollieren, dann ist das nicht bloß Innovation, sondern eine demokratische Frage.
Und jetzt wird es richtig interessant: Nicht nur die Bros von Leo (aka. Kardinäle) waren bei der Präsentation der Enzyklika dabei, sondern auch der Mitgründer von Anthropic, einem der mächtigsten KI-Unternehmen der Welt. Das muss man kurz mal sacken lassen: Der erste US-amerikanische Papst der Geschichte lädt einen US-amerikanischen KI-Milliardär auf sein Podium ein und kritisiert die Machtkonzentration einiger weniger Tech-Konzerne. Christopher Olah wurde also höchstpersönlich in den Vatikan eingeladen, um sich anzuhören, wie wenige global agierende Unternehmen die Kernelemente der KI-Technologie kontrollieren . Leo verbindet diesen Fakt mit der Warnung vor einem „neuen Kolonialismus“. Harte Worte, die es wahrscheinlich wieder auf den Punkt bringen.
Leo XIV. widmet sich in seiner Enzyklika aber nicht nur der KI-Technologie selbst, sondern auch dem, was dahinter steckt. Er sagt, KI sei nichts Magisches oder Immaterielles, denn hinter jedem Chatbot, jedem Bildgenerator und jeder automatisierten Entscheidung stecken reale Menschen, riesige Rechenzentren und oft unsichtbare Arbeit. Zum Beispiel von schlecht bezahlten Klickarbeiter:innen, die Daten sortieren und Inhalte markieren, damit KI-Systeme überhaupt funktionieren.
Dazu kommt der massive Rohstoffverbrauch digitaler Infrastruktur. Der Papst erinnert daran, dass technologische Innovation eben nicht einfach so entsteht, sondern reale Lieferketten, Energieverbrauch und menschliche Arbeit dafür nötig sind. Während also manche Tech-Bros auf Bühnen erzählen, KI werde die Menschheit „befreien“, erinnert der Papst daran, dass irgendwo auf der Welt Menschen für ein paar Cent Bilder markieren müssen, damit eine KI weiß, wie ein Fahrrad aussieht. What a time to be alive.
Leo XIV. spricht noch viele weitere Themen konkret an. Er warnt vor autonomen Waffensystemen, also KI, die irgendwann selbstständig über Leben und Tod entscheiden könnte. Maschinen dürften niemals moralische Verantwortung übernehmen oder menschliches Leben bewerten. Allein die Vorstellung, dass ein Algorithmus irgendwann darüber entscheidet, ob irgendwo auf der Welt eine Rakete abgefeuert wird oder nicht, scheint dem Papst ungefähr so sympathisch zu sein wie ein TikTok-Tanz im Petersdom.
Und das muss man dem Vatikan an dieser Stelle lassen:
Auch wenn der Papst Tolkien zitiert, ist der Großteil des Inhalts seiner Enzyklika nicht komplett weltfremd.
Denn während viele Tech-Unternehmen ihre KI-Anwendungen gerade verkaufen wie Walter Freiwald früher Teleshopping-Mixer („Dieses Tool verändert ALLES!!!“), stellt die Enzyklika immer wieder die Frage:
Wer profitiert eigentlich davon und wer zahlt den Preis?
Leo XIV. spricht über soziale Ungleichheit, digitale Überwachung, Manipulation durch Desinformation und die Gefahr, dass Menschen irgendwann mehr Vertrauen in Maschinen setzen als ineinander. Besonders viel Aufmerksamkeit bekamen online jene Passagen, in denen der Papst davor warnt, Menschen nur über Leistung, Effizienz und Produktivität zu definieren. Der Wert eines Menschen dürfe niemals davon abhängen, wie viel er produziert oder leistet.
Einige Social-Media-Posts interpretierten das sogar als deutliche Kampfansage gegen die Hustle Culture und die Vorstellung, dass Menschen ihren Wert permanent „verdienen“ müssten. Und ehrlich gesagt: Man versteht schon, warum diese Aussagen des Papstes gerade viral gehen. Denn viele Menschen haben inzwischen das Gefühl, sich ständig optimieren zu müssen. Produktiver, effizienter, schneller und besser zu werden.
Habemus Meinung!
Der Vatikan führt gerade also eine erstaunlich moderne Debatte über Kapitalismus, Arbeit, Macht und Technologie. Wir finden das tatsächlich bemerkenswert, weil eine Institution, die sonst eher dafür bekannt ist, gesellschaftliche Entwicklungen äußerst konservativ und noch dazu mit jahrzehntelanger Verzögerung einzuordnen, diesmal erstaunlich früh und deutlich Stellung bezieht. Und zwar nicht rückwirkend, wenn längst schon alles entschieden ist, sondern so richtig am Zahn der Zeit.
Das hatte vermutlich wirklich niemand auf seiner Bingokarte für 2026…




