Hitzesommer als Marktsignal: Die Zukunft der GreenTech Startups!

von | Juni 26, 2026

Ein guter Sommer für GreenTech Start-ups

Wetter ist nicht Klima – aber dieser Sommer ist ein Auftrag

Ganz schön heiß. Und das im Juni. Mal wieder. Historisch heiß? Nö: ’heiße Tage hatten wir im Juni auch früher schon’ meint @KlausKarlo58, den man an solchen Tagen todsicher beim Bäcker oder auf Facebook trifft.

Recht hat er. Und das letzte Streuselstückchen. Arschgeige!

Aber kann er gleichzeitig recht haben und Quatsch reden?

„Das Butterhörnchen bitte.“
„Das hier?“
„Nein, das daneben.“
„Das …“
„Stop, andere Seite daneben.“ 

Die erhitzte Bäckereifachverkäuferin lässt das einsame Hörnchen in die aggressiv große Papiertüte fallen, wo eigentlich ein großes Streuselstückchen reingehört hätte.

Also nochmal: hat er recht?

„2,25 bitte“

Souverän die Karte gezückt, beim ’Tschüss’ ein letztes mal jeglichen Blickkontakt vermieden und ab – raus in die Sonne zum Denken. 

Ganz blöde Idee. Der Restverstand verdampft sofort und während das Butterhörnchen in der Papiertüte auf dem Weg zum Auto wahrscheinlich eine knusprige braune Kruste kriegt drängt sich eine wilde Idee in den Vordergrund: „Jemand müsste mal was tun!“

Die gute Nachricht: jemand tut was!

Die historische Junihitze ist genau das, was Klimaforscher meinen, wenn sie vom Unterschied zwischen Wetter und Klima sprechen. Für eine bestimmte Sorte Gründerinnen und Gründer ist sie noch etwas anderes: ein Marktsignal.

Denn wenn extreme Hitzeereignisse häufiger werden, verändern sich auch Bedürfnisse, Verhaltensweisen und Investitionen.

Plötzlich werden Fragen dringlich, die früher nur wenige beschäftigt haben: Wie bleiben Wohnungen kühl, ohne den Energieverbrauch explodieren zu lassen? Wie schützen Städte ihre Bewohnerinnen und Bewohner vor Hitzestress? Wie können Schulen, Krankenhäuser oder Pflegeeinrichtungen auf längere Hitzeperioden reagieren? Und wie lässt sich Landwirtschaft betreiben, wenn Wasser knapper wird?

In solchen Situationen fragen sich auch anderweitig Gründungsinteressierte: Wieviel Zukunft haben Green Tech-Start-ups? 

Spoiler Alert: GreenTech Startups sind die Zukunft!

Aber nochmal langsam und konzentriert zum Thema zurück: Es ist Ende Juni, und das Rhein-Main-Gebiet verdampft unter einer Glocke. Der Deutsche Wetterdienst hat für den Südwesten vor extremer Wärme gewarnt, die Vierzig-Grad-Marke war in Reichweite, der deutsche Juni-Rekord wackelte. Eine Hitzewelle dieser Wucht hat es in einem Juni noch nicht gegeben. Wer in diesen Tagen in einer Frankfurter Altbauwohnung unterm Dach schläft, braucht keine Statistik, um das zu spüren.

Und jetzt kommt der Satz, den Leute wie @KlausKarlo58 an dieser Stelle gern einwerfen: Wetter ist nicht Klima. Ein heißer Tag beweist nichts. Stimmt. Ein einzelner Hitzesommer passiert einfach mal, das ist kein Klima-Trend.

Nur schneidet der Satz in beide Richtungen. Denn die andere Hälfte lautet: Das Klima ist der Trend, den man aus dem einen heißen Sommer erstmal lange nicht herauslesen kann – bis er sich zeigt. Und ein Juni, wie er in den Messreihen vorher nicht vorkam, ist genau so ein Moment, in dem der Trend kurz die Hand hebt. Die einzelne Hitzewelle musst du nicht überbewerten. Die Serie, in der sie steht, schon.

Das ist der Punkt, an dem uns die meisten Texte über die Hitze alleine zurücklassen. In dem guten Gewissen, dass wir’s verstanden haben. Und mit dem Rat, mehr zu trinken. 

Also lasst uns mal hier anfangen …

Wagniskapital für GreenTech Startups: Rekordsummen, weniger Runden

Die Wetterlage, die uns das Schwitzen beschert, ist für eine wachsende Zahl von Unternehmen eine Auftragslage. Hitze ist messbar, aber nicht planbar – die Gegenmittel schon. Hitze erzeugt Bedarf: nach Kühlung, die nicht das Stromnetz sprengt. Nach Gebäuden, die Wärme aushalten, statt sie mit Klimaanlagen wieder nach draußen zu pumpen. Nach Wasser, das knapper wird. Nach Städten, die Schatten und Verdunstung wieder zulassen, statt Asphalt zu sein. Nach einer Landwirtschaft, die auch für 38 Grad gewappnet ist, nicht nur für 28.

Klimaveränderungen sind kein Nischenthema mehr – und die Finanzierungszahlen beweisen das, wenn man genau hinsieht. Deutsche Start-ups sammelten 2025 laut EY-Startup-Barometer knapp 8,4 Milliarden Euro Wagniskapital ein, ein Plus von 19 Prozent und das zweite Wachstumsjahr in Folge. Unter den drei größten Runden des Jahres war mit Green Flexibility ein Energie-Start-up. Parallel ist mit dem Deutschlandfonds ein 30-Milliarden-Euro-Vehikel gestartet, und Klimainfrastruktur gehört zu den Feldern, in die gerade Rekordsummen fließen.

So weit das Klima in der Business-Welt. Sieht also gut aus – langfristig. Jetzt das Wetter – also die aktuelle Situation: Die Zahl der Finanzierungsrunden sinkt das vierte Jahr in Folge. Das Geld bündelt sich in wenigen großen Deals, während kleine Runden seltener werden. Wer mit Idee und Prototyp am Anfang steht, erlebt also einen härteren Markt, als die Schlagzeile „Rekordkapital“ verspricht. Beides ist gleichzeitig wahr.

Warum GreenTech Startups auf Thermodynamik statt Konjunktur bauen

Genau hier wird der Wetter-Klima-Satz fürs Gründen praktisch anwendbar. Das schlechte Quartal, die zähe Seed-Runde, die abgesagte Investorenzusage – das ist Wetter. Unangenehm, real, aber nicht der Trend. Der Trend ist eine Welt, die sich aufheizt, und die dafür Lösungen kaufen muss. Ob die Konjunktur gerade will oder nicht. Wer darauf baut, baut nicht auf Optimismus. Er baut auf Thermodynamik.

Man kann einwenden, dass es verwerflich ist, aus einer Krise einen Markt zu machen. Man hätte ja auch vorher tätig werden können und Klimawandel verhindern helfen. Der Einwand stimmt halb. Wer Hitzeschutz, Wasserlösungen oder Stadtbegrünung baut, feiert die Krise nicht – er reagiert auf sie, dort, wo Reden nicht mehr reicht. Die unbequeme Wahrheit ist: Anpassung passiert ohnehin. Die Frage ist nur, ob mit guten Produkten oder mit teuren Notlösungen.

Und es bleibt nicht bei Lösungen gegen die Schäden. Irgendwann kommt der intellektuelle Kipppunkt, an dem klimafreundliche Technik in der Breite akzeptiert wird. Nur: Wir haben es mit Menschen zu tun. Die Einsicht kommt selten über die Vernunft, meistens über den Preis. Ein absurd hoher Spritpreis überzeugt zuverlässiger als jedes Argument – und wer seine Gasheizung so sehr liebt, dass er ab und zu zum Trinken in den Keller geht, wird irgendwann merken, dass man sie sich leisten können muss. Oder dass schlicht weniger ankommt, als man braucht.

Aufwind für GreenTech Startups

Für das Rhein-Main-Gebiet ist eine Zukunft, in der Green Tech wächst und gedeiht keine abstrakte Vision. Die Region steht in der DWD-Warnung – und sie hat zugleich Hochschulen, Kapital und eine dichte Industrie, die Anpassungstechnik nicht nur erfinden, sondern auch brauchen kann. Die Voraussetzungen, hier etwas zu bauen, sind besser, als das Lebensgefühl bei 39 Grad vermuten lässt.

Bleibt der Rat, der aus all dem folgt, und er ist unspektakulär: Lass dir vom Wetter nicht das Klima erklären – in keine Richtung. Nicht den einen heißen Juni für den Weltuntergang halten. Und nicht das eine schwache Quartal für das Ende der umweltfreundlichen Idee. Wer gründet, sollte den Unterschied kennen. Diese Woche kann man ihn am eigenen Körper spüren.

Fakten, die GreenTech Startups Mut machen

1. Grün finanziert sich besser.

Bis 2025 sicherten sich knapp 30 Prozent der grünen Start-ups eine Finanzierung – fast doppelt so oft wie nicht-grüne. Das Label „GreenTech Startup“ ist im Fundraising kein Nachteil, sondern ein Vorteil.

Quelle: OECD (via EU-Startups, 2025)

2. Der Markt wächst wieder.

Weltweit flossen 2025 rund 40,5 Milliarden US-Dollar Venture- und Growth-Kapital in Climate Tech – 8 Prozent mehr als 2024. Kein Boom wie 2021, aber das Gegenteil von Kollaps.

Quelle: Sightline Climate / CTVC, „State of Climate Tech 2025″

3. VCs setzen strukturell stärker auf grün.

Der Anteil von Climate Tech an allen globalen VC-Investitionen ist über zehn Jahre von 14 auf 16 Prozent gestiegen – und zwar trotz des allgemeinen Marktrückgangs. Die Branche von Greenwich Startups wird bei Investoren nicht unwichtiger, sondern wichtiger.
Quelle: Dealroom, Climate Tech Guide

4. Für Deutschland gibt es eigenes Geld.

Der staatliche DeepTech & Climate Fonds investiert bis zu 30 Millionen Euro pro Unternehmen. Der High-Tech Gründerfonds – Deutschlands aktivster Frühphaseninvestor – steigt initial mit bis zu 1 Million Euro ein, insgesamt bis zu 4 Millionen pro Unternehmen.

Quellen: DeepTech & Climate Fonds (dtcf.de); Bundeswirtschaftsministerium (HTGF)

5. Die Nachfrage steht im Gesetz.

Der Net-Zero Industry Act verpflichtet die EU, bis 2030 40 Prozent ihres Cleantech-Bedarfs aus eigener Produktion zu decken. Der Bedarf ist Trend und damit Klima, nicht Wetter.

Quelle: EU, Net-Zero Industry Act (2024)


Frank Krupka
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