Okay okay, wir haben es inzwischen alle mitbekommen. Es ist ein heißer Sommer. Und mit heiß meinen wir nicht „Ach Mensch, so schönes Wetter“-heiß, sondern „die Bahn riecht nach Mensch“-heiß. Und während du an manchen Tagen vorm Ventilator liegst und überlegst, wann du das letzte Mal draußen warst, spült dir Social Media die Beiträge von Menschen in die Timeline, die scheinbar hauptberuflich barfuß, braungebrannt und bester Laune von See zu Sonnenuntergang tingeln, Aperol trinken und das ganze noch professionell ausgeleuchtet in 10 Slides dokumentieren. Da liegt die Frage nahe: Ist es überhaupt ein guter Sommer, wenn man kein Story-Highlight daraus gemacht hat?
Der Erlebnisdruck ist hausgemacht
Im September erwartet niemand von dir, dass du in jeden grauen Dienstag ein krasses Erlebnis presst. Warum ist das in den Sommermonaten anders? Die Erwartung, dass der Sommer automatisch produktiver, geselliger und Instagram-tauglicher sein muss, ist doch irgendwie ziemlich willkürlich. Der Sommer ist im Grunde eigentlich einfach nur eine Jahreszeit mit höheren Temperaturen, keine Garantie für ein ereignisreicheres Leben.
Eine gute Zeit zu haben bedeutet zwischen Juni und August genau dasselbe wie im November: Du solltest Dinge tun, die dir guttun, in dem Tempo, das gerade möglich ist. Wenn dein Kreislauf bei 30+ Grad die weiße Flagge hisst, ist das keine mangelnde Sommer-Begeisterung, sondern dein Körper, der gerade Vollzeit mit Kühlen beschäftigt ist. Dafür hat er ehrlich gesagt eher eine Menge Respekt verdient, statt ein schlechtes Gewissen.
Wer sich im Sommer zurückzieht, sich träge fühlt oder spontan Pläne canceled (sorry Friends, I know it’s me!), reagiert völlig angemessen auf die wilden Bedingungen, die der Klimawandel mit sich bringt. Chillen ist im Sommer also eine fantastische Idee, auch, wenn man dabei nicht so gut Content machen kann. Was bei dieser Hitze wirklich unvernünftig ist, ist der Anspruch, topfit und fotogen durch die Stadt zu hüpfen und sich dabei noch einen hinter die Binde zu kippen. OH WEIA.

Was einen guten Sommer ausmacht
Ein Nachmittag im Freibad oder das Eisessen mit der besten Freundin werden nicht automatisch besser, weil du ein Foto davon postest und ein paar deiner Follower (und vielleicht dein heimlicher Crush hihi) ein Herz drunter gesetzt haben. Solche Erlebnisse sind gut, wenn sie sich gut angefühlt haben. Wichtig ist aber zu beachten, dass – anders als die Zahl der Likes – die Menge der Pommes und/oder Schokosoße sicherlich einen signifikanten Einfluss auf die Gut-heit eines Sommers haben, für genauere Informationen muss hier aber noch weiter von unserer Redaktion geforscht werden. Aber wir sind dran, versprochen!
Wenn du wissen willst, ob du wirklich Lust hast, etwas zu unternehmen, etwas auszuprobieren oder irgendwo hinzugehen, gibt es eine kleine, aber entscheidende Frage, die dir bei der Entscheidung helfen könnte: Möchte ich diese Aktivität machen, weil sie mir Freude bereitet, oder möchte ich diese Aktivität machen, damit andere Menschen davon mitbekommen? Falls du bei 34° also den Halbmarathon eiiiiigentlich eher abblasen würdest, aber eine kleine Stimme in deinem Kopf sagt „do it for the gram!“, dann hast du deine Antwort.
Dinge, die auch ohne Publikum eine gute Idee sind
- Ein Spaziergang in den kühleren Morgen- oder Abendstunden, ganz ohne Ziel oder Fitness-Anspruch
- Ein kaltes Getränk auf dem Balkon, im Park oder auf der Fensterbank trinken
- Eine Sommer-Playlist erstellen, wir hätten da ein paar Tipps
- Einen Büchereiausweis in deiner Stadtbibliothek ausstellen lassen und die Klimaanlage genießen
- Einen Brettspiele Abend veranstalten
- Barfuß durchs Gras spazieren, wenn’s nicht komplett vertrocknet ist
- Einfach mal gar nichts machen
- Zu Fuß die eigene Hood neu entdecken
- Filme schauen, die den Sommer in dein wohltemperiertes Wohnzimmer holen
- Beim nächsten Einkauf gleich alle Zutaten für Stay-at-Home-Spaghettieis mitnehmen
- Ein paar Bahnen im Freibad ziehen
- Ein spontanes Lagerfeuer oder Grillabend im kleinen Kreis
Existieren ist eine völlig legitime Sommeraktivität
Diese Erwartung, warme Monate müssten automatisch produktiv, sozial und dokumentationswürdig sein, ist doch irgendwie Quatsch. Ein Sommer, in dem du genug trinkst, ab und zu rausgehst (mit Sonnenschutz, versteht sich) und dich nicht zu Dingen zwingst, für die dir die Energie fehlt, ist kein verpasster Sommer. Das ist ein guter Sommer – genau wie es ein guter Februar, ein guter Mai oder ein guter Oktober auch sind, wenn du auf dich aufpasst.




