Song der Woche: Twisted Teens – Hand Me A Cigarette

von | Aug. 6, 2026

twisted teens mit einer Zigarette https://groundcontroltouring.com/storage/3052/IMG_1478.jpg

Manchmal dauert es mehrere Versuche, bis ein Album zündet. Hier nicht. Das hier könnte meine neue Lieblingsband werden. Twisted Teens kommen reingefahren, durch die Wand, auf einem dreckigen Truck mit noch dreckigeren Riffs.

Das Duo aus New Orleans besteht im Kern aus Frontmann Caspian Hollywell und RJ Santos an der Steel Guitar. Gemeinsam mischen sie Lo-Fi-Garagenpunk mit Country – und das schmeckt. Veröffentlicht wird unter anderem über Chain Smoking Records. Wie sollte es bei einem Song namens „Hand Me A Cigarette“ auch anders sein?

Zwei Musiker in einem ziemlich löchrigen Kanu

Die Entstehungsgeschichte von Twisted Teens vollständig aufzudecken, ist gar nicht so leicht. Deshalb belassen wir es heute bei Hollywells eigener Erklärung:

„God put us on a stream together, and now we’re in the same canoe.“

Ungefähr zur selben Zeit hatte RJ Santos offenbar die göttliche Eingebung, sich eine Lap-Steel-Gitarre zuzulegen. Eine ausgesprochen gute Entscheidung: Sein schlitterndes Spiel ist heute ein wesentlicher Teil des Twisted-Teens-Sounds.

Hollywell war zuvor bereits in der Folk-Punkband Blackbird Raum aktiv. Dort ging es etwas folkiger zu, doch die raue Stimme, die Geschichten vom Rand der Gesellschaft und die deutliche Abneigung gegen Hochglanz-Sound waren schon vorhanden.

twisted teens in einem boot https://groundcontroltouring.com/storage/3053/98EFD82C-6F90-4658-881E-E9BCE7F564DA.jpg

Bitte gebt diesem Mann keine Zigarette

Im Song der Woche „Hand Me A Cigarette“ fügt sich all das perfekt zusammen. Der Track beginnt sehr zurückgelehnt, bevor er sich in einen kratzigen, warmen Country-Punk-Song verwandelt. Darüber liegt Hollywells Stimme: 40er Schleifpapier ist sanft dagegen. 

Gebt diesem Mann bitte keine Zigarette mehr. Auch dann nicht, wenn er im Song wiederholt danach fragt. Seine Stimme befindet sich gerade in einem Zustand, den man dringend konservieren sollte.

Überhaupt klingen Twisted Teens fuzzy und roh, durch die Lo-Fi-Produktion aber zugleich wärmer und bauchiger als viele alte Punkplatten. Genau das verleiht den Songs einen frischen und modernen Klang. Gleichzeitig hören sich Stücke wie „Weather the Season“ oder „Swamp“ durch das Songwriting sofort vertraut und nostalgisch an.

„Florida Water Blues“: 43 Minuten ohne Skips

Florida Water Blues ist nach dem selbstbetitelten Debüt von 2024 und Blame the Clown das dritte Album von Twisted Teens – und bereits ihre zweite Platte im Jahr 2026. 

Über seine knapp 43 Minuten wirkt Florida Water Blues wie aus einem Guss. Für mich befindet sich darauf kein einziger Track, den man überspringen müsste. Das Ganze geht sogar noch einen Schritt weiter: Wer vorher Blame the Clown laufen lässt, kann fast nahtlos mit dem neuen Album weitermachen. Lediglich die meiner Meinung nach etwas schwächere Abmischung des Vorgängers verrät, dass hier zwei verschiedene Platten aufeinanderfolgen.

Twisted Teens sind dabei nicht nur musikalisch, sondern auch im Gespräch eine wahre Goldgrube. Warum mussten die beiden ausgerechnet eine Rock-Band gründen? Laut Hollywell seien sie schlicht „too stupid to do anything else“. Es ist vermutlich eine der glaubwürdigeren Bandbiografien der letzten Jahre.

Twisted Teens passen zwischen Kurt Vile und The Breeders

Dass die Band inzwischen größere Kreise zieht, überrascht kaum. Für 2026 stehen gemeinsame Termine mit Kurt Vile und The Breeders im Kalender. Musikalisch ergibt das erstaunlich viel Sinn: Twisted Teens passen mit ihrem Sound hervorragend in diese Mischung aus Indie-Rock, Alternative und Garagenpunk.

Nur Deutschland geht vorerst leer aus. Aktuell sind hierzulande keine Konzerte angekündigt. Dabei muss es also erst einmal bleiben.

Bis dahin sind Twisted Teens für mich die Band des Sommers: perfekt für einen Roadtrip, offene Fenster und für alle, die mit dem Rauchen anfangen möchten. Wobei wir von Letzterem natürlich abraten.

Schon nach den ersten Minuten war ich mir sicher, hier eine neue Lieblingsband vor mir zu haben. Jetzt bleibt nur die Frage, was Caspian Hollywell und RJ Santos als Nächstes servieren – und ob sie ihr sportliches Tempo halten können, ohne dass die Qualität darunter leidet. Nach Blame the Clown und Florida Water Blues würde ich zumindest nicht dagegen wetten.


Tom Krupka
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