Nik Huber – Knock on Wood

Nik Huber – Knock on Wood

von | Apr. 10, 2026

Wenn dir Bretter mit sechs Saiten die Welt bedeuten: Mach was draus!

Nik Huber hat das erstaunlich konsequent umgesetzt. Statt die mit der Schülerband in Rodgau so hoffnungsvoll gestartete Karriere als Rockstar weiterzuverfolgen, setzte er auf sein Talent im Umgang mit Holz, Lack und anspruchsvollen Kunden, die absolut perfekt verarbeitete und traumhaft klingende Gitarren suchten.

Auf den ganz großen Bühnen ist er heute also nicht im Einsatz, dafür aber seine Gitarren. Weltweit und auch schon mal vor 80.000 Menschen und mehr.

Nik Huber im INterview über die Geschichte von Nik Huber Guitars

Hallo Nik! Bevor wir loslegen: Wir sprechen heute mit dir über das Gründen – nicht (nur) über Start-ups im Tech-Sinn, sondern über Handwerk, Eigenkapital und sinnvolle Wege in die Selbstständigkeit. Fertig? Dann fang doch mal an und erzähl uns, wo du herkommst.

Die letzten vier Generationen Huber waren alle Schreiner. Mein Uropa war Schreiner, mein Opa auch, und mein Vater hat schon als Kind – mit zwölf – eine Schreinerlehre begonnen. Mein Vater ist dann allerdings beim Militär Pilot geworden und hat den Düsenjäger später gegen einen Lufthansa-Jumbo getauscht. Ich hatte dadurch ein sehr privilegiertes Elternhaus – mit einem großen Keller mit Holzwerkstatt, und in den Ferien war ich oft beim Opa, wo auch eine Werkstatt war.

Ich habe also ständig Holzspäne eingeatmet und war eindeutig vorbelastet.

Beim Opa habe ich Holzschwerter gebaut, im Keller meines Vaters kleine Flugzeuge geschnitzt oder Schiffe gebastelt. Ich habe immer viel gebaut. Schon in der vierten Klasse habe ich E-Gitarren aus Pappe gebastelt, weil ich Kiss und AC/DC gut fand. Diese Pappgitarren habe ich sogar für ein, zwei Mark in der Schule verkauft – sie haben zwei Tage Bauzeit gekostet, und ich war richtig stolz darauf.

Mit neun oder zehn habe ich Klavier gespielt, aber das fand ich irgendwann uncool. Weil ich aber die Beatles und AC/DC mochte, musste es Gitarre sein – und natürlich eine E-Gitarre. Damals wollte ich nichts mehr, als Rockstar zu werden.

Nach vielen Kämpfen hat mir mein Vater schließlich eine eigene E-Gitarre gekauft, die fand er aber Schrott für den Preis. Er meinte: „Für das Geld kann man das selber besser machen!“ Er war schon immer so: alles selbst machen, alles besser machen. Aber auch: viel anfangen und nur schwer zu Ende bringen. Haus renovieren, Pool bauen … Er hat es schon irgendwann fertiggemacht, aber es zog sich immer.

Das habe ich von ihm übernommen. Ich muss mich bis heute daran erinnern: Fang das jetzt nicht an – du wirst es nicht fertigmachen. Zum Beispiel habe ich angefangen, Holz-Surfbretter zu bauen. Bis heute ist kein einziges fertig …

Irgendwann habe ich gelernt: Ich kann besser Gitarren bauen, wenn ich dafür andere Dinge bleiben lasse – Lampen aufhängen oder Fußboden verlegen zum Beispiel. In der Zeit kann ich etwas machen, das mir liegt und das ich gut mache. Deswegen habe ich jetzt auch eine Assistentin für die administrativen Dinge eingestellt. Ich konzentriere mich nur noch auf die Produktion: Gitarren bauen, Ideen entwickeln, Promotion nach draußen. Das kann ich, das fällt mir leicht, und da habe ich richtig Lust drauf. Ich mache nichts mehr, auf das ich keinen Bock habe oder was ich nicht kann.

Wie kamst du denn von der Papp-Gitarre dahin, Gitarren für die größten Künstler:innen zu bauen?

Mit 55 hat mein Vater seinen Flieger abgestellt, ist in Rente gegangen und hat auf Formentera einen Gitarrenbaukurs gebucht. Er hat nämlich vorher schon im Keller Gitarren gebaut, die ich auch gespielt habe – Rockstar war ja mein ursprünglicher Berufswunsch.

Der Kurs war bei einer Gitarrenbauschule, die wir Jahre vorher schon auf der Musikmesse gesehen hatten. Er sagte immer: „Da gehe ich irgendwann hin.“ Das hat er gemacht und kam mit einer selbstgebauten Gitarre zurück, bei der ich dachte: „WOW!“.

Damals war ich noch in der Schreinerlehre – wie gesagt: der vierte Huber in der Reihe –, weil ich auch überhaupt nicht wusste, was ich sonst machen sollte. Vielleicht Innenarchitekt. Im Nachhinein bin ich meinem Vater dankbar, dass er gesagt hat: „Mach doch Schreiner! Das kannst du immer gebrauchen. Handwerk hat goldenen Boden.“ Und das stimmt verdammt noch mal, auch wenn es so ein Spruch ist, den man nicht hören wollte.

Ich ging dann zu meinem Chef: „Ich brauche Urlaub, muss dringend einen Gitarrenbaukurs machen.“ – „Du hast keinen Urlaub mehr, du warst dauernd mit deiner Band auf Tour.“ Das war immer das Problem: Chef gegen Musik. Schließlich hat er mir unbezahlten Urlaub gegeben, weil er die Idee mit dem Kurs gut fand. Und so bin ich auch nach Formentera gegangen, im selben Jahr (1993) wie mein Vater.

Der Kurs war natürlich geprägt von Sonne, Strand, Meer, Feiern, Livemusik, Party – das war geil. Aber am Ende war es das Gitarrenbauen, das hängenblieb. Im nächsten Jahr habe ich gleich noch einen Kurs gemacht.

Dann kamen ein paar Zufälle. Wir hatten eine Band und damit auch einen Mann am Mischpult. Der hat auf der Musikmesse ein Konzert gemischt, bei dem ein bekannter und ziemlich erfolgreicher Gitarrenbauer namens Paul Reed Smith gespielt hat. Unser Mischer meinte: „Du hast doch eine Gitarre gebaut, zeig die dem doch mal!“ Geile Idee. Ich habe mich reingemogelt, Paul Reed Smith kennengelernt – und er wurde Freund und Mentor.

Moment mal: so einfach war das?

Natürlich nicht sofort. Er war interessiert, hat mich immer mit kleinen Häppchen Know-how versorgt, sodass ich mir viel selbst erarbeiten musste, und das hat ihm wohl Spaß gemacht. Jedes Jahr auf der Musikmesse habe ich ihm eine neue Gitarre gezeigt und irgendwann hat er mir auch Reparaturen aus seiner Firma geschickt.

Es gab einen Artikel in Gitarre & Bass, eine Rubrik, in der Paul Reed Smith Fragen beantwortete. Ein Leser schrieb: „Ich habe ein Problem mit einer deiner Gitarren“ – und Paul antwortete im Magazin: „Geh zu Nik Huber, der kennt meine Gitarren und weiß, was zu tun ist.“ Auf einmal stand ich also schwarz auf weiß in diesem Magazin. Ab da begann die Wahrnehmung, so ging es los.

Und wann kam die erste Gründung?

1995 hatte ich die Idee, einen Musikladen aufzumachen. Ich dachte: Gitarren bauen – davon kann keiner leben, das wird nie funktionieren. Aber Gitarren reparieren, das fand ich gut. Da habe ich Bedarf gesehen. Mein Vater hat gesagt: „Ich habe deiner Schwester ein Studium finanziert, dir gebe ich auch ein bisschen Starthilfe.“ So haben wir einen Gitarrenladen eröffnet – mit einer kleinen Reparaturwerkstatt. Zwischendurch haben wir aber immer mal wieder nebenbei Gitarren gebaut.

Das war ja damals noch ein Meisterberuf in Deutschland. Ich war hochgradig illegal mit dem Gitarrenbau. Irgendwo habe ich noch ein Fax von Paul, in dem er bestätigt, dass ich zum vollwertigen Gitarrenbauer ausgebildet wurde – falls die Handwerkskammer kommt. Die kam dann tatsächlich, deshalb war das Fax praktisch, um etwas vorzeigen zu können.

Und dann hat sich das alles ganz sukzessive entwickelt: Ich habe Gitarren gebaut, die hingen im Laden. Dort kam jemand vorbei, ließ seine Gitarre reparieren, sah meine gebauten Gitarren und sagte: „Oh, das gefällt mir, bau mir auch mal sowas.“ So ging das Schritt für Schritt.

Nik-Huber-Gitarren werden inzwischen weltweit gespielt. Wie hat es dein Name aus dem kleinen Rodgau z. B. nach Amerika geschafft?

Ich bin schon sehr früh auf Musikmessen gegangen, auch in den USA. Am Anfang natürlich alles improvisiert und so günstig wie möglich. Irgendwann habe ich mir mit Jens Ritter einen Stand geteilt. Tische zu mieten war sauteuer, und wir hatten natürlich keine Kohle. Da liefen ein paar Typen mit einem Steinway-Karton vorbei – da war mal ein Flügel drin. Und wir dachten: Das ist unser Tisch!

Also haben wir den Karton wieder zurück in die NAMM Show geschleppt, schwarzen Stoff besorgt, drübergehängt – fertig war der Messestand. Das sah richtig gut aus. Und genau das war die Haltung: Wir brauchen keinen Investor. Wir haben bei Taco Bell gegessen, in den räudigsten Motels geschlafen – wir haben einfach unsere Instrumente ausgestellt, und es ging los.

Wo sind wir jetzt in der Timeline?

2001. Paul sagte mir, dass für ihn Deutschland 10% und Amerika 70% ausmachen, also hatte ich diese Vision, dass Amerika sein muss.

Nach USA kam langsam aber sicher auch der Rest der Welt. Was ist dir beim weltweiten Vertrieb deiner Gitarren besonders wichtig?

Was sich aus eigener Erfahrung definitiv auszahlt: sehr nett mit Menschen umgehen, niemanden bescheißen und immer versuchen, die bestmögliche Qualität zu liefern. Das ist es eigentlich schon.

Der Kunde muss zufrieden sein – scheißegal, ob du drauflegst. Auch mein Vater hat immer gesagt: „Qualität statt Quantität.“ Damals in der Lehre habe ich ihn ewig lange an Dingen herumbasteln sehen. Ich dachte: 70 % oder 80 % reichen doch. Aber am Ende habe ich verstanden: Man muss immer Perfektion anstreben, denn langfristig zahlt sich Qualität aus.

Aber hat auch ihren Preis, oder?

Ganz klar.

Viele Menschen zahlen viel Geld für deine Handwerkskunst. Hast du einen Tipp, wie man das als Unternehmer hinbekommt?

Wenn du dich selbstständig machst: Such dir etwas, das jeder brauchen kann. Auch ganz wichtig: Ab Tag eins von den Kunden lernen. Und man sollte sofort anfangen zu lesen – über Selbstständigkeit, Unternehmertum, Finanzen, Zeitmanagement. Heute gibt es Apps und Tools ohne Ende – damals nicht. Man kann heute viele Fehler vermeiden, die ich gemacht habe.

Ich musste erst über 40 werden, um mich dafür wirklich zu interessieren und wirklich Unternehmer zu werden. Davor lief mein Business-Management nach dem Motto: Kontostand anschauen, mit dem Herrn Bankberater reden. Grauenvoll. Das muss nicht sein. Es gibt ganz einfache Regeln. Mein lebensveränderndes Buch war Getting Things Done von David Allen. Ich könnte sofort eine „Top-10-Pflichtlektüre“-Liste für Gründer machen.

Weißt du, egal was für ein Business du startest, es gibt überhaupt keinen Grund, nichts über diese Themen zu wissen. Du musst noch nicht mal Geld für Bücher ausgeben – nur das Interesse muss da sein. Irgendwo nimmst du immer etwas mit.

Die schlechteste Einstellung:
Ich mach es lieber selbst,
dann ist es wenigstens
richtig gemacht.

Mindset, Fitness, Meditation – egal was, es ist gut für dich. Ich war heute Morgen mit meinem Sohn wieder 40 Minuten laufen. Ich gehe regelmäßig ins Training. Ich bin 55, ich muss das tun – sonst würde mein Rücken das nicht mehr mitmachen. Das gehört für mich zum Unternehmersein dazu.

Das habe ich auch lange nicht kapiert. Ich habe mal bei einem Unternehmer-Coach in Deutschland – Stefan Merath – Seminare besucht. Es ging darum, vom Selbstständigen zum Unternehmer zu werden. Dazu gehört: drei Stunden Sport in der Woche, meditieren, die Finanzen im Griff haben. Und vor allem: am Unternehmen arbeiten, nicht im Unternehmen.

Klar kann ich hier alles selbst machen. Aber besser ist es zu sagen: Meine Mitarbeitenden machen ihren Job mittlerweile viel besser als ich – logisch, weil sie es viel öfter tun. Ich will ja gar nicht der King Louie sein, der alles am besten kann.

Das ist der Tod. „Immer selbst und ständig“ – das ist der dümmste Satz, den es gibt.

Diese Firma ist ja nicht nur Nik Huber, diese Firma sind wir alle. Ich habe ein großartiges Team, das mich mit dem, was es macht, längst in den Sack steckt. Und das feiere ich. Im Moment werde ich von Johannes Gronover betreut, einem auf das Handwerk spezialisierten Berater, den ich sehr empfehlen kann.

Meine Vision ist, dass mich das Unternehmen überlebt – das wäre wunderbar. Ich habe dieses Verpflichtungsgefühl, dass der Laden auch ohne mich weiterläuft. Aber man kann wahnsinnig viel nicht nur über ein gutes Produkt, sondern auch über die Personen dahinter machen. Niemand, der ein iPhone oder irgendein Smartphone mit Kamera hat, kann mir erzählen, er könne kein Instagram oder keine Story machen. Man muss da einfach mitziehen. Wir verkaufen Gitarren mittlerweile über Instagram-Fotos – völlig irre, aber so ist es.

Früher musste ich physisch nach Los Angeles fliegen, um gesehen zu werden. Heute geht das alles nur mit dem Handy in der Hosentasche. Wer das nicht nutzt, soll bitte auch nicht jammern, dass die Welt böse ist. Oder dass die Gitarrenkunden so schwierig sind, Messen Geld kosten, Magazine nur Geld wollen. Dann: Klappe halten oder einfach mal den Arsch hochkriegen.
(Fortsetzung folgt)


Guitar Barrel Project

Nik Huber, Gründer und Inhaber von Nik Huber Guitars

Spaß am Job? Lust darauf, neben der Routinearbeit auch mal so richtig auszuticken? Werde doch Gitarrenbauer.

Mit dem Guitar Barrel Project hat es Nik – zusammen mit ein paar anderen Gitarrenbauern – mal so richtig krachen lassen und aus dem Holz der Weinfässer aus dem Besitz der Marquês de Pombal wahnsinnig aufwändige Einzelstücke gebaut.

Pombal steht für den Wiederaufbau Lissabons nach dem Erdbeben von 1755 und die Modernisierung des Landes, und das zeigt sich in Niks Beitrag: der ehemalige Grundriss Lissabons auf dem Seitenhalter, im Griffbrett eingelegt die Silhouette des modernen Lissabons und am Headstock Ornamente der Fenster des Weinguts. Dass das Mahagoni von 250 Jahre alten Weinfässern stammt, wird da fast zur Nebensache.

Mehr Infos zu dem Projekt gibt es im Blog-Beitrag auf Niks Website


(Forts.)

Welche Rolle haben andere Unternehmer*innen für dich gespielt?

Es ist total hilfreich, sich jemanden zu suchen, der schon all das gemacht hat, was man selbst gerne machen möchte – und ihn vielleicht als Mentor zu gewinnen. Das habe ich im Nachhinein auch so gemacht, wenn ich zurückdenke.

Ob Bücher, Interviews oder Gespräche mit sehr erfolgreichen Menschen – fast immer hatten die jemanden an ihrer Seite. Nicht, dass ich mich für „sehr erfolgreich“ halte, aber die Leute, die wirklich etwas gerissen haben, hatten fast immer einen Mentor.

Man muss einfach auf jemanden zugehen und sagen: „Hey, ich möchte gern das und das machen. Wie hast du das gemacht? Kannst du mir helfen? Könntest du mich ein bisschen mentoren?“ – das funktioniert. Die meisten fühlen sich dadurch sogar geschmeichelt und sind auch bereit zu helfen.

So war es auch bei Paul Reed Smith. Der meinte: „Gitarrenbau ist eine Kunst, die sollte weltweit verbreitet sein.“ Deswegen hat er mir geholfen.

Kannst du beschreiben, was die Selbstständigkeit im Handwerk für dich bedeutet?

Sein eigenes Ding zu machen. Aber nicht im Sinne einer One-Man-Show. Wenn jemand eine One-Man-Show bleiben möchte – wunderbar, mach’s. Aber ich sage immer: Will ich irgendwann in Urlaub fahren? Mit One-Man-Show ist das schwierig. Wenn ich Fahrrad fahre und mir den Arm breche – schlecht. Deshalb stellt sich irgendwann die Frage: Ist es nicht sinnvoll, jemanden ins Boot zu holen und das Ganze auf ein höheres Niveau zu bringen?

Warum macht man sich
überhaupt selbstständig?
Weil man das machen will,
was man liebt.
Weil man Träume hat.

Aber oft passiert Folgendes: Leute starten, haben ihren Traum – und merken dann: Moment mal, ich verdiene ja gar kein Geld. Blöd, ich habe ja gar keinen Urlaub, und ein Angestellter bei irgendeinem Fast-Food-Franchise verdient mehr als ich. Das ist die Realität. Und das passiert oft.

Es gibt so viele tolle Leute, die handwerklich unglaublich gut sind. Aber sie arbeiten in Berufen, in denen du erst Holz hacken musst, bevor du Feuer machen kannst. In unserer Gesellschaft habe ich oft das Gefühl: Viele möchten gern das warme Feuer – aber Holz hacken, das will kaum jemand.

Und Schreiner sein, das ist nicht wie bei Meister Eders verschneitem Fensterbrett mit Kerze und Pumuckl. Das ist halt leider auch einfach mal blöde Spanplattenschränke irgendwo hinschleppen oder eine Küche in Sachsenhausen im dritten Stock einbauen. Aber: Dann hast du so viel gemacht an dem Tag, dass du abends mit Sicherheit keine Energie mehr hast, dir über dumme Dinge Gedanken zu machen.

Ich bin da kein Vorreiter, aber ich glaube: Körperlich fit zu bleiben ist die halbe Miete. Hast du einen Bürojob und dein Körper verfällt, wirst du lahm und träge. Ich kenne das selbst – in solchen Phasen bin ich ein Wrack, da kannst du mich vergessen. Dann rutscht man leicht in Negativ-Spiralen.

Viel besser ist es, wenn man am Ende des Tages sagen kann: „Ey, ich hab heut was getan.“ Da steht dann ein Schrank, eine Küche oder eine Gitarre.

Apropos tolle Leute: Bei welchen Begegnungen mit Künstler*innen warst du besonders aufgeregt?

Dave Grohl von den Foo Fighters. Als es mit den Gitarren losging, dachte ich: Mit dem Typen würde ich gerne mal zusammenarbeiten. Und irgendwie kam es dann auch so.

Das ist genau das: Wenn du etwas wirklich willst, wenn du die Vision hast – dann klappt es meistens. Aber du musst dir schon ehrlich die Frage stellen: Will ich das wirklich? Wo will ich hin? Was will ich genau machen? Die meisten Leute haben keine klare Antwort, wenn du sie fragst, was sie mit ihrer Firma wollen. Dieses klare Denken ist Arbeit.

Ich wollte das halt wirklich. Über Connections war ich irgendwann in Köln bei einer Secret-Show im Publikum und habe die Foo Fighters das erste Mal live gesehen. Ein paar Wochen später spielten sie bei TV Total. Ich habe sofort bei Hanno Busch angerufen, dem Gitarristen von den Heavytones, den ich kenne: „Hallo, ich muss in die Show kommen.“ – „Mensch Nik, weißt du, wer noch alles in die Show kommen will?“ Mir war das egal, ich wusste: Ich muss da rein. Ich habe es tatsächlich geschafft und eine meiner Gitarren mitgenommen.

Meine Frau Ingrid meinte irgendwann: „Wenn die Show vorbei ist und die Foo Fighters Platten von Fans unterschreiben – gib ihnen doch deine Gitarre zum Unterschreiben.“ Schlaue Frau: Genau so habe ich das gemacht.

Dave Grohl sah die Gitarre und fragte: „Moment, was ist denn das für eine coole Gitarre?“ So kam das Gespräch zustande – und daraus entstand die Foo-Fighters-Connection. Da war ich aufgeregt, klar.

Aufgeregt war ich auch immer, wenn ich Paul Reed Smith getroffen habe. Er war die Person, die genau das erreicht hat, was ich erreichen wollte. Vor ihm hatte ich schon immer wahnsinnigen Respekt.

Bist du auch heute noch aufgeregt, wenn du jetzt mit den Scorpions oder anderen Größen rumhängst?

Nee, das kann ich mittlerweile ganz gut. Ich glaube, deswegen komme ich mit den Leuten klar – weil ich nicht den Fanboy raushängen lasse. Und das kommt, glaube ich, ganz gut an. Sicher ist es auch immer noch schmeichelnd, wenn man die anhimmelt. Aber ich komme ja nicht als Fan ihrer Musikgeschichte zu ihnen, sondern als Geschäftspartner.

Ich hatte aber auch schon Momente, in denen ich richtig sauer auf Künstler war. Zum Beispiel auf den Gitarristen von Queens of the Stone Age. Das habe ich ihm auch gesagt. Er hat mich dann zu einem Konzert eingeladen und mit Tequila abgefüllt, damit wir wieder Freunde werden – und danach waren wir wieder Freunde.

Wahrscheinlich kann Ingrid aber besser beantworten, ob ich noch aufgeregt bin – sie sieht ja immer meine roten Backen.

Du hast dir in all den Jahren einen guten Namen in der Welt gemacht. Was ist dein Geheimtipp?

Ganz einfach: Ehrlichkeit.

Wenn du was verbockt hast, steh dazu. Sag einfach: „Ey, ich hab’s verbockt. Ich übernehme das.“ Das ist verdammt wichtig. Das musste ich aber auch erst lernen. Ehrlichkeit ist manchmal kurzzeitig anstrengend, bringt dich aber am Ende immer weiter.

Wenn du nur noch eine einzige Gitarre bauen würdest, welcher Künstler würde die kriegen? Diese aller-, aller-, aller-, allerletzte Nik-Huber-Gitarre?

Paul McCartney. Das fände ich gut. Ich war früher so dermaßen Beatles-Fan, war voll drauf, habe das wirklich rauf und runter gehört. Ich finde es einfach beeindruckend, dass der Typ Musikgeschichte geschrieben hat. Das haben viele andere auch, aber an den Beatles kommt heute immer noch keiner vorbei.

Ich fände es aber auch mega, für eine neue, junge Band zu bauen. Zum Beispiel für die Band meines Sohnes. Die meinen es wirklich ernst: neues Studio, neue Platte, neuer Produzent, neue Konzertagentur. Die geben Gas, die wollen es wirklich.

Die kommen an einen Punkt, wo sie auf jeden Fall davon leben können – weil sie es ernsthaft und ehrlich machen. Die sind sich für nichts zu schade. Und ich glaube, die wollen es so ähnlich, wie ich damals Gitarren bauen wollte.

Nik Huber in der Werkstatt

Bei all dem Trubel und der Begeisterung für die Arbeit: Wie verbringst du deine Freizeit?

Auch wenn ich arbeite, ist das inzwischen relativ entspannt. Mittlerweile komme ich eher spät hier rein – selten vor 10 Uhr. Heißt aber nicht, dass ich morgens nichts mache: Ich checke die ersten E-Mails, gehe mit dem Hund laufen oder joggen. Das hat dann aber nicht immer was mit der Firma zu tun.

Wenn ich frei habe, gehe ich gerne mit meiner Frau essen. Oder ich spiele noch mit meiner Band – das mache ich immer noch gerne, auch wenn es zu viel geworden ist.

Am Wochenende bin ich super gerne alleine hier in der Werkstatt. Dann räume ich ein bisschen im Holz, säge, lasse Maschinen laufen, kümmere mich nebenbei um die Aquarien oder verleime etwas. Ich liebe es, Holz zuzuschneiden. Das heißt: Die delegierbarste Arbeit mache ich selbst. Richtig geil, wenn eine Palette voller Holz da ist und alles über die Kreissäge muss. Danach bin ich fix und fertig, aber es macht total Spaß. Das gebe ich nicht ab.

Wenn ich nichts anderes vorhabe, gehe ich lieber hierher, als mich auf die Couch zu setzen. Das macht mir tatsächlich einfach Spaß. Oft bin ich auch sonntags hier, mindestens ein paar Stunden. Aber nicht, weil ich muss – sondern weil ich einfach gerne hier bin.

Vielen Dank für das Gespräch. Und jetzt zeig uns doch mal, where the magic happens, auf in die Werkstatt …

Gern, vielen Dank für das Gespräch.

Danke dir, Nik!


Cracker, Ingrid Huber, Nik Huber v.l.n.r. in der Werkstatt von Nik Huber Guitars
Cracker, Ingrid Huber, Nik Huber v.l.n.r. in der Werkstatt von Nik Huber Guitars

Unternehmertum ist Teamsport: Meet the Hubers.

Auch wenn der oder die Partner*in nicht im Unternehmen involviert ist: Selbstständigkeit bedeutet immer – mitgegangen, mitgehangen.

In der Startphase erwartet niemand eine entspannte Work-Life-Balance, das ist klar. Doch – Überraschung! – auch später gibt es Messen am Wochenende und Kundentermine, selbst wenn’s gerade nicht gut passt. Das muss man wissen.

Wenn Nik im Gespräch ganz nebenbei erzählt, dass er „sonntags gerne in die Firma geht, um ein bisschen Holz zu schneiden“, fragt sich der aufmerksame Leser: Hat der keine Familie?

Doch, hat er. Ingrid war schon lange vor der Gründung seine Freundin, dann Ehefrau und Mutter. Sie hat zwei Söhne großgezogen, unzählige Hunde, Katzen und Pferde versorgt – und sie war auch in schwierigen Zeiten stets an seiner Seite.

Wenn ein einfaches Danke nicht reicht: Ein Instrument, das ihren Mädchennamen trägt, wird heute von den Rolling Stones gespielt.


Nik Huber Guitars

  • Nik gilt als einer der besten E-Gitarrenbauer der Welt. Er und sein Team bauen am Firmensitz in Rodgau bei Frankfurt am Main etwa 400 Gitarren pro Jahr.
  • Die Gitarren werden weltweit verkauft, mit Importeuren und Händlern in mehr als 25 Ländern, von Australien über Taiwan bis in die USA.
  • Die Liste der Kunden liest sich wie das „Who’s Who“ der Rockmusik: Scorpions, Foo Fighters, Rolling Stones, Biffy Clyro, Adam Miller, Billy Talent, Die Toten Hosen, Apache 207, Beatstakes, Prince, Max Giesinger, Udo Lindenberg, Gregor Meyle und viele mehr.
  • Mehr Infos gibt es auf der Website. Aber Vorsicht, das könnte teuer werden: www.nikhuber-guitars.com
  • Die nächste Generation ist schon am Start: Piet hilft im Business, und Niko gibt mit seiner Band Birdsview Vollgas.


Interview: Frank
Fotos: Andrea
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