Warum Marcant mein YouTube (und ein bisschen unsere Demokratie) rettet

von | Aug. 28, 2026

Screenshot der YouTube-Kanal-Übersicht von vollmarcant mit Profilbild, Banner zur Ost-Tour und Video-Thumbnails

Wenn ich YouTube öffne, erwartet mich auf meiner Startseite meist eine feinstkuratierte Mischung aus Müll: inhaltsleere Reaction-Videos auf Trash-TV, anstrengende Looksmaxxing-Tipps, fragwürdiges Geschwurbel oder Spiegel-Dokus aus den 90ern. Ab und zu verirrt sich zwar eine ARTE-Doku oder ein fantastisches Video über mongolischen Kehlkopfgesang auf meine Startseite, aber im Großen und Ganzen muss ich sagen: Mein YouTube-Algorithmus hat schon mal bessere Tage gesehen. Inmitten des ganzen Unfugs gibt es aber einen Account, dem man nun wirklich nicht vorwerfen kann, Müll zu sein: @vollmarcant.

Wer ist Marcant und was macht er?

Marc ist 2002 geboren, kommt aus Frankfurt am Main (gut erkennbar am Sticker an seinem Mikrofon) und studiert Jura. Das merkt man seiner Argumentation in den Videos sofort an: Paragrafen hat er parat, im Verfassungsrecht kennt er sich aus, und logische Fehlschlüsse seines Gegenübers nimmt er zum Anlass, sie mit Fakten zu korrigieren. Statt aber mit juristischem Fachvokabular um sich zu werfen, übersetzt er komplexe Themen direkt in verständlichen Klartext. Und selbst in Gesprächen mit extrem unangenehmen Menschen bleibt er tiefenentspannt, nahbar und absolut menschlich. Man kann es schlicht nicht anders ausdrücken: Er ist einfach ein sau feiner Kerl.

Seine Internetkarriere begann er unter dem Namen „Salamibrötchen“, seit 2025 ist er als Marcant unterwegs und erreicht als Content Creator, Reporter, Streamer und Aktivist mit seiner Arbeit eine ganze Menge für den Schutz unserer Demokratie. Sein Hauptkanal hat inzwischen über 607.000 Abonnent:innen und einzelne Videos knacken souverän die Millionen-Marke (davon träumen wir bei subzeroes noch). Für den unwahrscheinlichen Fall, dass du seine Videos bisher nicht kennst, hier die kurze Beschreibung:

Auf Marcants Kanälen gibt es keinen langweiligen Einheitsbrei, sondern einen bunten Mix aus Formaten, die alle dasselbe Ziel verfolgen: Menschen zum Umdenken zu bewegen. Dafür begibt er sich deutschlandweit in Situationen, die die meisten von uns eher meiden würden. Er sucht gezielt das Gespräch mit Demonstrierenden aus dem rechtsextremen Spektrum, mit Anhänger:innen von Verschwörungstheorien oder Figuren der Neonazi-Szene. Statt nur die Kamera draufzuhalten, konfrontiert er sie direkt mit ihren eigenen Aussagen, Widersprüchen und verfassungsfeindlichen Narrativen.

Die Videos liefern mir als Zuschauerin reichlich Gründe, mich aufzuregen. Gleichzeitig bieten sie mir aber auch jede Menge Munition für das alljährliche Gespräch mit dem nervigen Onkel beim Familienessen. Stellt jemand in Marcants Videos eine steile These auf, blendet er Gesetzestexte, historische Fakten oder wissenschaftliche Studien ein. Als Zuschauer:in siehst du also sofort, was Fakt ist und was Bauchgefühl. Er reagiert auch regelmäßig auf Kanäle, Shorts und Videos anderer politischer Influencer:innen, seziert rechtspopulistische Rhetorik-Tricks, erklärt juristische Hintergründe und zeigt Schritt für Schritt, wie Radikalisierung im Netz funktioniert und was man dagegen tun kann.

Bei alldem kommt Marcant nicht wie ein belehrender Moralapostel um die Ecke. Er stellt unaufgeregt die richtigen Fragen, hört zu und bringt mit seinem Content nicht nur gepflegtes Entertainment auf meine YouTube-Startseite, sondern auch eine Menge Fachwissen und eine ganz gewaltige Portion Hoffnung für unsere Gesellschaft.

Aufschnitt von frischer Salami mit Gewürzgurken als Anspielung auf Marcants früheren Künstlernamen Salamibrötchen

Er ist aber keineswegs nur in den bizarren Winkeln des politischen Spektrums unterwegs. Genauso oft findet man ihn auf Demonstrationen und Veranstaltungen, die sich gegen menschenfeindliche Gesinnungen und für eine tolerante Gesellschaft einsetzen. Natürlich ist das für die Teilnehmenden super aufregend, einen Menschen wie Marcant SO GANZ IN ECHT zu treffen, mit ihm zu quatschen und vielleicht sogar ein Foto zu machen. Immerhin ist er wirklich eine enorm wichtige Person für ganze Generationen. Gerade bei den Aufnahmen von „menschenfreundlichen“ Veranstaltungen wird deutlich, wie viele Menschen hierzulande an demokratische und antifaschistische Werte glauben, sich aktiv für Menschenrechte einsetzen und laut gegen Hass aufstehen. Neben all den anstrengenden Debatten ist genau das jedes Mal einfach nur extrem beruhigend zu sehen.

Wer jetzt meint, Marcant könne nur Straßeninterviews, hat seinen Podcast verpasst. Im wöchentlichen „Marcant Podcast“ lädt er sehr unterschiedliche Gäste ein, um über Lebensgeschichten, Politik und Gesellschaft zu sprechen: von politischen Schwergewichten wie Heidi Reichinnek, Gregor Gysi oder Kevin Kühnert über die Holocaust-Überlebende Renate Aris bis hin zu Tier- und Umweltschützer Malte Zierden. Egal ob auf YouTube, Twitch, Instagram, TikTok oder im Podcast-Feed: Marcant liefert auf allen Kanälen ab. Er geht dahin, wo es unbequem wird und macht daraus Content, der tatsächlich etwas verändert.

Wenn du mehr über Marcant wissen willst, gibt es ein spannendes Video von 37 Grad:

Ausstieg aus der rechten Szene: Wie Marcant Jugendliche zum Umdenken bringt

Was Marcants Arbeit wirklich besonders macht, ist ihre reale Wirkung. Er schafft etwas, woran politische Bildungsinitiativen und steife Talkshows seit Jahren scheitern: Er erreicht Menschen aus der rechten Szene und bringt sie tatsächlich zum Umdenken. Besonders bei jungen Leuten, die oft schleichend über Social-Media-Algorithmen in extreme Bubbles geraten sind, zeigt sein Content Wirkung. Regelmäßig melden sich ehemalige Rechte oder wachgerüttelte Jugendliche direkt bei ihm und bedanken sich dafür, dass seine Videos sie dazu gebracht haben, ihre Vorurteile zu hinterfragen und einen Weg aus der Szene zu finden.

Wer sich fragt, wie professionelle Ausstiegs- und Beratungsarbeit gegen Rechtsextremismus aussieht, findet dazu übrigens bei uns auch ein Gespräch mit Dr. Reiner Becker vom Beratungsnetzwerk Hessen.

Die Theodor-Heuss-Medaille: Anerkennung von ganz oben

Gute Arbeit bleibt nicht unbemerkt: 2026 wurde Marcant von der Theodor-Heuss-Stiftung für sein „herausragendes demokratiepolitisches Engagement im Kampf gegen Rechtsextremismus“ mit der Theodor-Heuss-Medaille ausgezeichnet. Die Stiftung vergibt die Auszeichnung seit 1965 an Menschen und Initiativen, die sich unermüdlich für Zivilcourage und politische Bildung einsetzen. Marcant reiht sich damit in eine Liste prominenter Preisträger:innen ein, zu der unter anderem der frühere Bundespräsident Joachim Gauck, Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim, Moderatorin Dunja Hayali und Schauspieler Karlheinz Böhm gehören.

Marcant abonnieren und Zivilcourage unterstützen

Wie eingangs beschrieben, haut mir mein YouTube-Algorithmus pausenlos verrückte Dinge vor die Nase (falls du noch einen guten Fund suchst: „history of the entire world, i guess“ von Bill Wurtz). Warum verbringe ich also meine wertvolle Bildschirmzeit ausgerechnet so gerne mit Marcants Videos? Ganz einfach: weil er es schafft, mir das Gefühl zurückzugeben, dass die Menschheit doch noch nicht ganz verloren ist. Er zeigt, dass man Haltung zeigen kann, ohne aggressiv zu werden. Er beweist, dass Fakten, Humor und echte Zivilcourage immer noch mehr bewegen können als die lautesten Parolen. Und wenn auch nur ein einziger weiterer Mensch durch seine ruhigen Fragen ins Grübeln gerät und den Absprung aus der Menschenfeindlichkeit schafft, hat sich seine Arbeit schon gelohnt.

Schau dir seine Videos an – inklusive der neuen Reihe, bei der er 30 Tage durch Ostdeutschland tingelt – und lass ihm ein Abo da. Unterstütz den Mann, teil seine Videos und sorg dafür, dass Formate mit Herz, Hirn und Verstand den Raum bekommen, den sie verdienen.


Chrissy Kalla
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