Album der Woche: Genesis Owusu – REDSTAR WU & THE WORLDWIDE SCOURGE

von | Juni 4, 2026

Heute wieder mal Nachrichten gecheckt. Puh. Reicht dann auch für die nächsten Wochen. Überall: Krieg, Chaos, Paranoia. Das Weltgeschehen kann schnell überfordern und viele Menschen nehmen das schon seit Jahren so wahr. Die Reaktionen darauf sind unterschiedlich: Die einen werden immer gleichgültiger, andere wiederum reagieren auf jede neue Schlagzeile mit Dauerstress. Weltweite Demoralisierung und eine Generation geprägt von „tja.“.

Genau da setzt Genesis Owusu mit seinem neuen Album REDSTAR WU & THE WORLDWIDE SCOURGE an. Der australisch-ghanaische Musiker liefert den Soundtrack gegen Apathie und für Rebellion gegen den Zustand der Welt.

Wer ist Genesis Owusu?

Der 28-jährige Rapper und Sänger wurde in Ghana geboren und zog bereits als Kind nach Australien. Dort begann er gemeinsam mit seinem Bruder, dem Rapper Citizen Kay, Musik zu machen. Anfangs noch unter dem Namen „Ansah Brothers“, entwickelte sich Genesis Owusu schnell zu einer Größe in der australischen Rap-Szene.

2018 veröffentlichte er seine erste EP, bevor ihm 2021 mit Smiling With No Teeth der internationale Durchbruch gelang. Das Album traf mitten in die Pandemie und wurde von Kritikern gefeiert. Mehrere Songs fanden ihren Weg in die Charts und plötzlich sprach man auch außerhalb Australiens über Genesis Owusu.

Das Erfolgsrezept: Genesis Owusu lässt sich nicht in eine Schublade stecken. Sein Sound bewegt sich irgendwo zwischen Hip-Hop, Rock, Soul und elektronischer Musik. Diese Sprünge über Genregrenzen hinweg bewältigt er mühelos. Das zeigt er auch auf seinem zweiten Album STRUGGLER, auf dem er mit Post-Punk-Einflüssen die verspieltere Stimmung seines Debüts hinter sich lässt und deutlich rauer klingt. Owusu selbst beschreibt seine Musik als „weird as hell, Black as hell and political as hell“. Treffender kann man es eigentlich nicht formulieren.

Die weltweite Plage

Genesis Owusu schlägt auf seinem frischen Album wieder eine neue Richtung ein. Seine Devise: Die Welt ist chaotisch und verwirrend genug, da braucht es nicht noch vage Songtexte mit Interpretationsspielraum.

Sein neues Album soll laut sein und ein Schlag auf die Nase. Wenn es in seinen bisherigen Alben zeitlosere Themen und Texte gab, ist es nun eine Momentaufnahme der Welt im Jahr 2026 und seine ungefilterte Meinung darüber: Rechte Regierungen, Rassisten und Elon Musk können sich f***** gehen.

Hass, Gier und rechte Ideologien überschwemmen die Welt wie eine Plage und Genesis Owusu stellt sich dieser Welle entschieden entgegen – daher stammt übrigens auch der Albumname.

Und wie klingt das Ganze? Schwierig, da so richtig den Finger drauf zu legen. Ich höre ein wenig Gorillaz, Slowthai, Death Grips und vielleicht auch ein wenig Bloc Party raus. Definitiv ein Sound mit Persönlichkeit und Wiedererkennungswert.

Als Ziel sieht Genesis Owusu, den Fokus wieder mehr auf Gemeinschaft und Menschlichkeit zu legen. Am Ende, so Owusu, ist es egal, welche Partei man gewählt hat; unter den teuren Energiepreisen leiden alle Seiten und statt sich gegenseitig an die Gurgel zu gehen, sollte man sich verbünden gegen die wirklichen Problemstifter.

Persönliche Highlights des Albums sind für mich unter anderem: PIRATE RADIO, MOST NORMAL AMERICAN VOTER, HELLSTAR und THE WORLDWIDE SCOURGE.

Wer sich von all dem nicht abgeholt fühlt, sollte Genesis Owusu dennoch nicht abschreiben. Der junge Mann erfindet sich nämlich ständig neu und zeigt eine unglaubliche Bandbreite; davon kann man sich mit seinem Cover von Paint It Black leicht selbst überzeugen:

Genesis Owusu covers The Rolling Stones ‘Paint It, Black’ for Like A Version

An dieser Stelle auch eine dicke Empfehlung für den australischen Radiosender triple j, falls man auf der Suche nach neuen und alternativen Artists ist. In ihrer Rubrik „Like A Version“ finden sich allerlei kreative Cover von legendären Songs.

Für mich persönlich liefert Genesis Owusu mit REDSTAR WU & THE WORLDWIDE SCOURGE eines der besten Alternative-Hip-Hop-Alben des Jahres. Zum Abschluss noch ein paar Zitate vom Album, die ihr gerne im Musikunterricht analysieren könnt:

Elon’s a fuckin‘ weirdo
Who gave these incels moolah?

PIRATE RADIO

Giving my reply with a bat
Find a oligarch, get him taxed

STAMPEDE

A beast I am, nothing more, nothing less
You can never take my neck, Imma die when I’m dead

LIFE KEEPS GOING

Interesse geweckt? Dann viel Spaß beim reinhören!


Tom
© Titelfoto Isaac Brown
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