Warum uns manche Ideen einfach nicht mehr loslassen

von | März 12, 2026

kateboard fahren als Hobby – Skater macht Trick im Skatepark bei Sonnenuntergang

Der Punkt, an dem ein Hobby eskaliert

Es beginnt fast immer harmlos.
Auf einmal taucht eine Sache auf, die mir einfach nicht mehr aus dem Kopf geht. Ich werde neugierig, öffne den ersten Wikipedia-Artikel und zack – bin ich im Rabbit Hole.

Wusstet ihr, dass der letzte russische Zar Nikolaus II. ein Tattoo von einem Drachen auf dem Arm hatte? Schon gehört, dass die Marke Opel auf einen Schlosser zurückgeht, der ursprünglich Nähmaschinen gebaut hat? Oder dass fast alle zwei Millionen Waschbären in Deutschland von etwa 30 Exemplaren abstammen?

Oft ist meine Neugier nach einer Weile gestillt, mein Hunger nach interessanten Fakten gesättigt. Eine „Weile“ beschreibt in diesem Fall eine Zeitspanne irgendwo zwischen dem Lesen eines Artikels bis hin zum Schauen von mehrstündigen Dokumentationen.

Das Ganze ändert sich aber oft in dem Moment, in dem ein Thema projektfähig wird.

Ach, da hat jemand einen Repairshop für alte Walkmans aufgebaut?
Ich glaube, ich sollte mir besser eine Werkstatt, Werkzeug und die nötigen Skills zulegen, um das auch zu machen.

Dieser Moment ist dann oft der Punkt, an dem Neugier in Fixierung umkippt. Irgendwo auf der Welt sitzt gerade jemand nachts um zwei über einem Projekt, das eigentlich nur ein Hobby sein sollte.

Manchmal sind das auch nur Phasen. Es dauert dann doch zu lange, einen Skill wirklich zu lernen. Es fehlt die Community oder schlicht die Zeit, ein Projekt durchzuziehen. Und manchmal wird aus der Faszination eben doch mehr. Eine Art milde Besessenheit (im positiven Sinne).

Dann räumt man sich Zeit frei, kniet sich rein und lernt die nötigen Skills. Und wenn es noch keine Community gibt, baut man eben selbst eine auf.

Ab wann dieser Sog ungesund wird, darüber lässt sich sicherlich streiten. Ich bin jedenfalls kein Verfechter der Hustle-Culture – eher im Gegenteil. Das Ziel sollte nie sein, mit möglichst wenig Rücksicht auf die eigene Gesundheit und das eigene Umfeld zwanghaft viel Geld verdienen zu wollen.

Aber wenn jemand eine gewisse Hartnäckigkeit entwickelt, um sich den Traum vom eigenen Modeshop zu erfüllen, weil man es einfach liebt Designs zu entwerfen und Kleidung zu besticken, dann klingt das für mich erstmal ziemlich okay. Hustle-Culture kostet Energie, Leidenschaft gibt dir hingegen welche. Wo genau die Grenze liegt, muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden. 

Fast jedes ungewöhnliche Leben beginnt jedenfalls mit einer kleinen, unscheinbaren Faszination. An einem gewöhnlichen Leben ist natürlich auch nichts verkehrt und ich will mich hier gar nicht in solchen philosophischen Fragen verlieren. After all ist das hier eher meine persönliche Meinung als ein seriöser Magazinartikel. Hast du sicherlich bemerkt.

Sauerteigbrot backen als Hobby – Teig und Mehl auf einer Arbeitsfläche beim Brotbacken zu Hause

Ein paar Erfolgsgeschichten

Was mich aktuell fasziniert, ist die Frage, was aus solchen Projekten entstehen kann. Deshalb habe ich ein paar Beispiele herausgesucht.

Skatemap – Bernd Fröhner

Die Skatemap ist eine interaktive Karte, auf der du Skateparks in Deutschland und ganz Europa finden kannst. Pack dir also im nächsten Urlaub doch einfach dein Skateboard ein und such dir entlang deiner Route einen der tausenden Parks aus. Du bist über einen Skatepark gestolpert, der auf der Karte fehlt? Kein Problem. Mach ein Bild, trag ihn ein, schreib eine kurze Review. Die Community wird dir dankbar sein.

Wie ist das Ganze entstanden?

Bernd Fröhner hatte eine Faszination: BMX-Freestyle – und das recht erfolgreich. Irgendwann stellte er sich eine einfache Frage: Was macht eigentlich einen guten BMX- oder Skatepark aus? Vom Bau der ersten Rampen wurde das Projekt immer größer. Heute baut sein Unternehmen POPULÄR Skateparks in ganz Europa. Seit 2006 gibt es zusätzlich das Projekt Skatemap; eine logische Konsequenz aus der Faszination für gute Skatespots.

Die Karte findet ihr hier:
https://www.skatemap.de/

Full Proof Bakery – Jo Semola

„Hi, ich bin Jo und ich backe Brot.“

Vielleicht habt ihr diesen Satz schon einmal in einem der vielen Reels gehört, in denen Jo seine Brotrezepte präsentiert.

Ausgelaugt von Burnout und Depressionen entschied sich Jo irgendwann, seiner Leidenschaft zu folgen: richtig gutes Brot zu backen.

Was als Ausgleich begann, wurde schnell zu seiner Berufung. Aus Neugier wurden Fähigkeiten. Und während er immer besser wurde, dokumentierte er seinen Lernprozess auf Social Media und baute sich eine Community von Brotbegeisterten auf.

Seine Liebe zum Handwerk ist geradezu ansteckend.

Damit auch Urlauber außerhalb Deutschlands nicht auf fantastisches Brot verzichten müssen, wagten Jo und seine Familie 2024 den Schritt nach Palma auf Mallorca, um dort eine eigene Handwerksbäckerei Full Proof Bakery zu eröffnen.

Den Weg der Full Proof Bakery könnt ihr hier mitverfolgen:
https://www.instagram.com/jo.semola/

Dariadéh – Madeleine Alizadeh

Das Modelabel dariadéh wurde von Madeleine Alizadeh gegründet, angetrieben von dem Wunsch, bewussteren Konsum zu fördern.

Der Grundstein dafür wurde bereits 2013 gelegt, als Madeleine eine Dokumentation über Gerbereien in Bangladesch sah. Die Bilder führten ihr drastisch vor Augen, welche Auswirkungen Fast Fashion auf Mensch, Tier und Umwelt haben kann.

In ihrem Blog dariadaria machte sie daraufhin jahrelang auf nachhaltige Mode aufmerksam.

Die Gründung ihres eigenen Labels war ursprünglich eher eine spontane Idee, nachdem sie für ein selbstdesigntes Shirt viel Zuspruch bekam. Beim Aufbau ihrer Marke achtete Madeleine darauf, dass ihre Werte in jedem Schritt des Produktions- und Vertriebsprozesses berücksichtigt werden.

Ihr Ziel: langlebige Fair Fashion für alle und gegen die unrealistischen Körperbilder der Fast-Fashion-Industrie.

Den Shop findet ihr hier:
https://www.dariadeh.com/

Muss jedes Hobby zum Business werden?

Natürlich nicht. Aber falls ihr das nächste Mal in ein neues Thema eintaucht und denkt: Das könnte ich doch eigentlich auch mal ausprobieren.
Dann probiert es vielleicht einfach aus.

Einfach wird es vermutlich nicht. Aber wenn man dabei Glück, Antrieb und vielleicht sogar Purpose findet, kann sich der holprige Weg trotzdem lohnen.

Und wenn nicht, ist das auch okay. Manche Hobbys dürfen einfach Hobbys bleiben. Man muss schließlich nicht jedes Spiel komplett durchspielen, um Spaß daran zu haben.


Tom Krupka

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