Kreuzchen, Kumulieren, Klamotten: Dein Guide zur Kommunalwahl am 15. März

von | März 12, 2026

Banner mit der Aufschrift "Vote Him Out" an einer Hauswand als Symbol für politische Beteiligung bei der Kommunalwahl

Es ist Samstagabend, du hast den ganzen Tag beim Umzug von Sabrina und Freddo geholfen und willst jetzt nur noch ins Bett und morgen richtig schön ausschlafen. Wecker auf 11 Uhr, dann wird erstmal ganz in Ruhe gefrühstückt, das Wetter verflucht, die nächsten 15 Folgen Bridgerton geschaut und sowieso einfach den ganzen Tag auf dem Sofa verbracht und auf TikTok gescrollt. Doch dann fällt dir ein: Morgen musst darfst du deinem Recht und Privileg nachgehen und bei der Kommunalwahl deine Stimme(n) abgeben. Also wird die Planung umgeworfen, du schließt das Netflix-Fenster auf dem Laptop und tippst stattdessen folgendes in die Suchleiste:

Was wird eigentlich bei der Kommunalwahl gewählt?

Am 15. März werden in Hessen gleichzeitig mehrere Parlamente gewählt: die Gemeindevertretungen (oder Stadtverordnetenversammlungen), die Kreistage und – wo es sie gibt – Ortsbeiräte und Ausländerbeiräte. Das klingt nach viel, weil es auch viel ist. Und das ist auch der Grund, warum dein Wahlzettel so aussieht, wie er aussieht.

Diese Menschen entscheiden über Busverkehr, Sportanlagen, Müllabfuhr, Schulen, Kitas, Parks, Museen und Wohngebiete. Also im Grunde über alles, was du täglich siehst, nutzt oder vermisst.

Der Wahlzettel: Nicht erschrecken

Wenn dir im Wahllokal der Zettel überreicht wird, kann es passieren, dass du kurz glaubst, die Bedienungsanleitung für einen Kernreaktor in der Hand zu halten. In Frankfurt misst der Stimmzettel der Kommunalwahl für die Stadtverordnetenversammlung dieses Jahr stolze 144 mal 60 Zentimeter – damit gehört er laut Wahlleiter zu den größten in ganz Deutschland. Und oben drauf stehen die Worte: „Sie haben 93 Stimmen!“

Tief durchatmen. Es ist halb so wild.

Kurz gesagt: Du hast bei der Kommunalwahl genau so viele Stimmen, wie Sitze im jeweiligen Gremium deiner Kommune zu vergeben sind. Deine Stimmen kannst du so verteilen, wie du möchtest – auf viele verschiedene Menschen, oder auf wenige, die du besonders gut findest. Das ganze nennt sich Panaschieren und Kumulieren – und das erklären wir dir jetzt:

Panaschieren: Klingt komplizierter als es ist

Panaschieren kommt aus dem Französischen und bedeutet so viel wie „bunt mischen“. Genau das darfst du beim Wählen tun, verzichte dabei generell bitte einfach nur auf die Farbe Braun.

Du musst deine Stimmen nicht alle an eine Partei vergeben, sondern kannst Kandidat:innen aus verschiedenen Listen wählen. Findest du die eine Kandidatin der SPD überzeugend, den Großteil der Kandidat:innen der Grünen sowieso, und jemandem von der Freien Liste hast du letztens nach dem 3. Bier beim Feuerwehrfest auch eine Stimme versprochen? Kein Problem: kreuz einfach alle drei an – quer durch die Parteien. Und wenn du keine deiner Stimmen verfallen lassen willst, kannst du deiner Lieblingspartei mit einem Kreuz in der grauen Kopfleiste deine übrigen Stimmen überlassen.

Wichtig: Du darfst deine Stimmen bei einzelnen Personen über mehrere Listen verteilen – aber du darfst nicht mehrere vollständige Listen gleichzeitig ankreuzen. Das macht den Zettel ungültig.

Kumulieren: Wenn dir jemand wirklich wichtig ist

Beim Kumulieren (lat. cumulare = anhäufen) kannst du einer einzelnen Person bis zu drei Stimmen geben. Dafür machst du einfach ein, zwei oder drei Kreuze beim selben Namen.

Gibt’s in deiner Gemeinde jemanden, der sich seit Jahren für den Erhalt des Stadtparks einsetzt? Der unbequem für Barrierefreiheit kämpft? Dem du wirklich zutraust, dass er oder sie den Job ernstnimmt? Dann gib dieser Person ruhig alle drei Stimmen. 

Kumulieren und Panaschieren lässt sich auch kombinieren: Drei Stimmen auf eine Person, je eine auf zwei andere aus einer anderen Liste – alles möglich, solange du nicht mehr Stimmen vergibst, als du insgesamt hast.

Das Listenkreuz: Der entspannte Weg

Keine Lust auf Kreuze setzen wie beim Schiffe versenken? Dann mach einfach ein Kreuz bei einer ganzen Liste. Damit gibst du alle deine Stimmen der angekreuzten Liste bei der diesjährigen Kommunalwahl. Sie werden dann von oben nach unten verteilt: eine Stimme pro Person, bis deine Stimmen aufgebraucht sind.

Einzelne Namen können beim Listenkreuz auch durchgestrichen werden, wenn du jemandem auf der Liste keine Stimme geben möchtest. 

Du kannst also einen Teil deiner Stimmen an einzelne Personen vergeben und den Rest mit einem Listenkreuz auffüllen, damit keine Stimmen verloren gehen.

Was macht einen Stimmzettel ungültig?

Bei der Kommunalwahl sind meist deutlich mehr Stimmzettel ungültig als bei Bundestags- oder Landtagswahlen – kein Wunder bei diesem wilden Wahlsystem.

Hier die wichtigsten Fehler, die du vermeiden solltest:

  • Zwei vollständige Listen ankreuzen → ungültig
  • Mehr Stimmen vergeben als erlaubt → ungültig
  • Kommentare auf dem Zettel hinterlassen → ungültig (FCKAFD zu schreiben ist verständlich, sollte bei der Wahl trotzdem vermieden werden)

Ein schiefer Strich oder ein Kreuz, das leicht außerhalb des Kästchens landet zählt natürlich trotzdem. Zum Glück sind die meisten Wahlhelfer:innen keine Kunstkritiker:innen.

Wer vorher üben will: Online gibt es in manchen Kommunen interaktive Muster-Stimmzettel für die Kommunalwahl, bei denen man alle Varianten durchspielen kann – inklusive direktem Feedback, ob der Zettel noch gültig wäre.

Das richtige Outfit für einen riesigen Wahlzettel

Okay, jetzt wird’s ernst. Du kennst jetzt (zumindest theoretisch) die Regeln, die für eine erfolgreiche demokratische Wahl wichtig sind. Eine wichtige Entscheidung an diesem Sonntag steht aber noch aus.

Wer schon mal vor einem 144 mal 60 Zentimeter großen Stimmzettel stand, weiß: Das ist kein Moment für enge Jeans und eine klobige Winterjacke. Du brauchst Bewegungsfreiheit, Zwiebellook und einen Plan. Achso, und ganz wichtig: Hosentaschen für den Personalausweis.

Der klassische Style: Leichte Strickjacke + bequeme Hose

Funktional und lässig, aber seriös genug, um als informierte Person wahrgenommen zu werden.

Das Urban-Casual-Setup: Hoodie + Sneaker

Ganz entspannt. Zeigt: Ich kenn den Deal. Ideal für schnelles, entschlossenes Kumulieren. Durch die Kapuze außerdem zusätzlicher Schutz des Wahlgeheimnisses.

Der Fortgeschrittenen-Look: Langer Mantel

Für die, die sowieso immer und überall gerne panaschieren und dabei aussehen wollen, als hätten sie schon immer gewusst, was das bedeutet. 

Wildcard: Der Zylinder

Hat keine Funktion, sieht einfach nur witzig aus.

Okay okay, eigentlich ist’s komplett egal, was du an hast. Was du wirklich gebrauchen kannst ist ein gut funktionierender Kugelschreiber. Es gibt zwar welche im Wahllokal, aber mit dem eigenen ist man auf der sicheren Seite und spart die etwas peinlichen 30 Sekunden, in denen man auf den freien Stift wartet.

Das schönste Kreuzchen setzen: Eine kleine Anleitung

  1. Nimm dir Zeit. Du musst dich nicht hetzen. Das Wahllokal hat eine ganze Weile geöffnet und du bist nicht bei einem Schnellrestaurant.
  2. Lies die Namen. Hast du vorher die Kandidat:innen nicht recherchiert (no shame, kommt vor), dann lies zumindest kurz drüber. Manchmal klingelt was und dir fällt vielleicht zur ein oder anderen Person deine Meinung ein.
  3. Entscheide dich bewusst. Das hier ist deine Stimme. Die gehört dir. Nicht deinen Eltern, nicht deiner WhatsApp-Gruppe, nicht dem Typen, der dir vor dem Eingang noch einen Flyer und ‘ne Packung Haribo in die Hand gedrückt hat.
  4. Mach deine Kreuze. Ruhige Hand, klarer Strich. Oder Haken. Oder ausgefülltes Kästchen. Hauptsache eindeutig.
  5. Zettel falten, einwerfen, fertig. Du hast gerade aktiv Demokratie gemacht. Nicht schlecht!

Und wenn ich partout keine Ahnung habe, wen ich wählen soll?

Dann nutz im Vorfeld den Lokal-O-Mat und fuchs dich in die Parteiprogramme für die Kommunalwahl rein. 

Ansonsten frag dich: Wer engagiert sich in deiner Gemeinde wirklich? Wer taucht in Vereinen, Initiativen und bei Bürger:innenversammlungen auf? Wer bewegt etwas und wer ist nur alle paar Jahre auf Wahlplakaten zu sehen?

Und wenn du dann immer noch keinen blassen Schimmer hast, wer deine Stimme bekommen soll, kannst du im schlimmsten Fall auch einen ungültigen Stimmzettel abgeben. Wichtig ist vor allem, dass du dein Wahlrecht nicht durch Nichtteilnahme verfallen lässt.

Warum überhaupt hingehen?

Weil du sonst anderen überlässt, wer deine Stadt regiert.

Das klingt pathetisch, aber es stimmt. Bei Kommunalwahlen entscheiden oft ein paar hundert Stimmen darüber, ob jemand in den Rat kommt oder nicht. Deine Stimme wiegt hier tatsächlich ziemlich schwer und kann etwas bewegen.

Außerdem kannst du dich nach einer erfolgreich durchgeführten Wahl mit einem viel besseren Gewissen aufs Sofa verfrachten und deine Serie weiter schauen. Also, viel Spaß am Sonntag. Oder zumindest: so viel Spaß, wie ein Sonntagmorgen mit einem 144-Zentimeter-Zettel und einem Kugelschreiber eben hergibt.


Chrissy

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