PLUR1BUS – „E Pluribus Unum“ oder „E multis optima“: Aus vielen TV-Serien die Beste?

von | Jan. 8, 2026

„Our feelings for you haven’t changed, Carol. But after everything that’s happened, we just need a little space.“

Rhea Seehorn und Vince Gilligan haben fast alles erreicht, was im TV geht: vom Autor bei Akte X und Creator von Breaking Bad (Vince) über Better Call Saul (Rhea & Vince) und Beifall für die neueste Serie PLUR1BUS (Rhea & Vince) bis zur führenden Schauspielerin auf meiner persönlichen Shortlist (Rhea). Und jeder – echt jeder –, der mit Mäusen nicht nur zu tun hat, wenn die Katze sie morgens auf die Fußmatte legt, hat schon seine Theorien dazu aufgeschrieben. Über Kim Wexlers Ponytail, Pizza auf Dächern, Bärchen in Pools und in letzter Zeit über die versteckte Botschaft in PLUR1BUS.
Versteckt? Offensichtlicher geht es doch gar nicht, sagt der Fan und greift zur Maus …

Hier also endlich auch meine drei irresten Verschwörungstheorien zur neuen Lieblingsserie auf Apple TV.

Theorie 1: Künstliche Intelligenz

Aus AI-Slob wird AI-Ick

Vince hat mehrfach geschworen, dass PLUR1BUS nichts mit AI zu tun hat. In der Banana-Welt der Serien-Junkies ist das eine wasserdichte Bestätigung dafür, dass die Serie mit AI zu tun hat. Punkt.
Auch wenn er die Idee „angeblich“ zehn Jahre vor dem AI-Hype hatte? Geschenkt. Beweise? Gibt’s keine. Also fast keine: Man muss sie halt „sehen“ wollen.

  • Jeder, der schon mal angetrunken und etwas übereifrig mit seinem ChatGPT einen nächtlichen Austausch hatte, fühlt mit Carol.
    Zu nett, zu bemüht, will dich glücklich machen und erzählt dir dafür jeden Scheiß. Kommt euch bekannt vor? Na also.
  • Nachdem wir uns jahrelang über billige Realitätsimitationen, unsinnige Worte in Bildern und Menschen mit sechs Fingern lustig gemacht haben – sogenannte „AI Slobs“ –, sind wir jetzt in der „AI-Ick“-Zeit angekommen.
    Fake-Bilder, Fake-Videos, Fake-Texte – so realistisch, dass einem übel wird. Sogar kleine Fehler wie Falten und leicht schiefe Zähne sieht man plötzlich.
    Und was macht Vince, der Fuchs? Knallhart geometrisch gestaltete Bildideen, goldene Schnitte, wo man hinschaut, mathematisch perfekte Fluchtlinien, Farbkompositionen, die absurd perfekt und harmonisch aussehen. Und dann auch noch mit einer statischen Kamera auf einem Stativ gedreht, statt verwackelt, wie in den „authentischen“ Hobby-Creator-Jahren üblich. Und mittendrin eine ständig ein bisschen genervt aussehende Hauptdarstellerin, die sich leicht x-beinig und ein bisschen mittelalt-unsportlich durch die Handlung motzt.
    Wer Rhea schon mal dynamisch, straff und in Topform im Louis-Vuitton-Kleid durch eine Preisverleihung laufen gesehen hat, weiß diese schauspielerische Leistung in der Serie zu schätzen.
  • Das Hive-Mind weiß alles, ist aber erstaunlich dumm!
    Die ganze Serie ist ein einziges überzeugendes Argument dafür, dass emotionale Intelligenz immer über reines Faktenwissen triumphiert. Hold my Handgranate and bring me an A-Bomb!

Theorie 2: Social Media

a) Carols erster Tag auf LinkedIn

Wie die liebenswert echt wirkende und meistens eher so semi-gelaunte Carol auf die bummsdumm-glücklich drohnenden „Anderen“ reagiert, steht stellvertretend für uns alle, die zum ersten Mal einen LinkedIn-Feed betrachten!
Macher mit Drive, Siegertypen, Bürgermeister, selbstverliebte Business-Kasper, rüstige HR-Veteranen und Rennradfahrer lachen um die Wette in die Kamera. Allen voran die erfolgreichsten Coaches, die das Internet je gesehen hat. Ein Seppl mit Freundin verspricht 1.000-prozentige Garantie für Leads, die einem nach dem erfolgreichsten, aber geheimen Prompt aller Zeiten sofort als Kunden die Bude einrennen. Die gut gehaltene Interimsmarketingleiterin in Teilzeit zeigt sich in einem zeitlos-sportlichen Sommerkleid und lädt zum Workshop oder Wegswipen ein.
Alle haben etwas geschafft, jeder lernt gerade aus seinen Fehlern, und das ganze Business-Kollektiv verströmt die Authentizität einer ChatGPT-Hausarbeit. Werd jetzt Premium-Mitglied und genieße die Gesellschaft von Leuten, die es nicht übers Herz bringen, einen Apfel zu pflücken, sich dir aber als menschliche Ballaststoffe jeden zweiten Tag per PM aufdrängen und versprechen, deinen Job, deinen Umsatz und dein Leben nach vorne zu bringen.
Aber Carol und du, ihr habt verstanden: Wer auf LinkedIn Erfolg hat, der hat gar nichts gewonnen – aber Microsoft hat verdient. Und zwar fett.

b) Die Autotester

Zosia will Carol von der Idee überzeugen, als erstes Girl-Girl-Autotester-Team auf YouTube durchzustarten.
Bis jetzt ist sie leider nur erfolglose „Irgendwas-mit-Medien“-Absolventin. Vince visualisiert ihre Vorgeschichte mit starken, realistischen Bildern: Leichen beseitigen, ohne dreitägige Adobe-Schulung Flugzeuge fliegen – typische Tage im Freelancer-Alltag.
Die heißesten Hinweise: Carols souveräner Umgang mit kleinen Amateurkameras und das ständige Wechseln der Autos. In der nächsten Staffel sehen wir garantiert öfter Szenen, in denen eine der beiden beiläufig Reichweite, Verarbeitung oder Konzept der fahrbaren Untersätze lobt. Also das Maximum leistet, was ein Autoreviewer auf YouTube so draufhaben muss.
Außerdem: Manousos bedeutet in der Sprache der Hobbyfilmer „Mann, der den Griptruck fährt und das Zeug schleppt“. Jetzt seid ihr doch neugierig geworden, wer das schon wieder ist, und wollt die Serie gucken, gell?

Theorie 3: Better Call Rhea

Die unrealistischste Theorie von allen, die man aber aus jeder mittelguten Bürogemeinschaft kennt: Mit dem Kollegen oder der Kollegin würde ich gerne noch mal arbeiten.
Also flink ein Projekt erfunden, Konfi klargemacht, Timeline geklärt und los geht’s. Inhalte sind beliebig und genug auf LinkedIn vorhanden:

  • Growth Hacking: in vier Monaten Umsatz verdoppeln
  • Positionierung schärfen: vier interne Workshops mit der Gelegenheit, Essen vom Italiener kommen zu lassen
  • KI optimieren: GPTs trainieren, um interne Prozesse effektiver zu machen, und als Ausrede, um stundenlang zusammen auf einen Monitor zu starren

Spannender, aber leider nur für renommierte Regisseure umsetzbar:

Lieblingsschauspielerin und Lieblingscrew an Lieblingslocation irgendwas drehen lassen. Story tbd. Erst mal und wird schon irgendwie, toi, toi, toi.

Fazit

Und welche Botschaft steckt jetzt wirklich hinter der Pluribus-Geschichte? Wir wissen es natürlich nicht. Aber: Die Wahrheit ist irgendwo da draußen.

Unsere Empfehlung lautet daher: anschauen und wirken lassen. Die Idee ist wirklich toll und löst beim Schauen sehr merkwürdige Gedankengänge aus: Absurde Situation oder doch nicht? Wäre ich lieber bei den „Anderen“ oder als Individuum autark, aber auch allein?
Wenn TV es schafft, nachdenklich zu machen und nicht zu betäuben, sollte man hinschauen. Und für Science-Fiction ohne Aliens und ohne Nebendarstellerinnen, die in sieben von neun Fällen in viel zu engen Klamotten dünne Handlung praller erscheinen lassen sollen, muss man einfach dankbar sein.

PLUR1BUS auf Apple TV *****
„The most miserable person on Earth must save the world from happiness.“

Creator: Vince Gilligan
Rhea Seehorn, Karolina Wydra, Carlos-Manuel Vesga, Miriam Shor, John Cena, Mayor Tim Keller u. v. a.

PS: Wer alle Anspielungen versteht und alle Easter Eggs findet, verbringt zu viel Zeit vor der Glotze!


Frank

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