Nie wieder ist jetzt: Warum der Holocaust Gedenktag uns alle angeht

von | Jan. 27, 2026

Blick auf das historische Eingangstor des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau mit Eisenbahnschienen im Vordergrund. Bild zum Holocaust Gedenktag als Erinnerung an die systematische Vernichtung während der NS-Zeit.

Wir bei subzeroes sprechen viel über Zukunft, Fortschritt, Optimismus. Heute müssen wir uns eine besonders schwierige Frage stellen: Wie blickt man positiv auf eines der dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte – den Holocaust? Vielleicht, indem man wenigstens eines daraus mitnimmt: die Verantwortung, aus der Geschichte zu lernen – und jeden Tag dafür zu sorgen, dass sie sich nicht wiederholt.

27. Januar: Gedenktag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz

Am 27. Januar, dem Holocaust Gedenktag, erinnern wir uns an die über sechs Millionen Menschen, die dem Nationalsozialismus zum Opfer fielen. Dieser Tag markiert die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz und ist seit 1996 in Deutschland gesetzlich verankerter Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus.

Doch Erinnern allein reicht nicht. Denn was damals möglich war, ist auch heute nicht unmöglich. Deswegen müssen wir versuchen, Verantwortung aus der Vergangenheit abzuleiten. Wir müssen zeigen, was wir besser machen können. Und wir müssen begreifen, dass die Erinnerung an vergangene, düstere Zeiten ein moralischer Kompass für eine gerechtere Zukunft sein kann.

Warum ist es so wichtig, sich immer wieder mit diesen Ereignissen auseinanderzusetzen?

Nicht nur, weil die Zahlen der Zeitzeug:innen des Holocausts durch Alter und Tod geringer werden, sondern weil auch die Erinnerung an die Taten der Nationalsozialisten und die daraus resultierenden Folgen einen aktiven Schutz vor wiederkehrenden Formen von Hass bietet. Mit dem Verschwinden der Überlebenden wächst die Verantwortung der nachfolgenden Generationen, das Wissen lebendig zu halten. Eine eindringliche Mahnung kommt dieses Jahr von Holocaust-Überlebender Tova Friedman, die in der traditionellen Gedenkstunde des Deutschen Bundestages zum Holocaust Gedenktag spricht – eine Rede, die man sich heute ab 12:30 hier ansehen kann.

Es reicht aber nicht, nur in Geschichtsbüchern zu blättern. Wir müssen uns bewusst werden, was in der Gegenwart passiert. Auf TikTok, in Nachrichtenfeeds, auf der Straße. In den USA zum Beispiel läuft einiges schief: Bei Einsätzen der Migrationsbehörde ICE wurden mindestens vier Menschen erschossen. Die Kritik: überzogene Gewalt, keine rechtliche Grundlage, politische Rückendeckung inklusive.

Die Proteste? Laut. Die Regierung? Schweigt erstmal. Und wir? Sollten kapieren, dass das kein US-Problem ist, sondern eine Warnung für alle Demokratien: Wenn der Rechtsstaat Risse bekommt, wenn Macht nicht mehr kontrolliert wird und Gewalt sich verselbstständigt, dann ist das kein einmaliger Betriebsunfall, sondern ein Systemfehler. Und auch bei uns in Deutschland läuft nicht alles rund. Teile der AfD diskutieren offen rechtsradikale Pläne, die an dunkle Kapitel deutscher Geschichte erinnern. Was mit Worten beginnt, endet nicht selten in Taten – das lehrt uns die Vergangenheit.

Aufnahme eines Kofferstapels mit Namen und Herkunftsorten von deportierten Menschen – ausgestellt im Museum Auschwitz-Birkenau. Symbolbild zum Holocaust Gedenktag, das an die individuellen Schicksale erinnert.

Warum ist gerade heute Holocaust Gedenktag?

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs errichtete das NS-Regime ein Netz aus Ghettos, Arbeits- und Vernichtungslagern – mit einem Ziel: der „Endlösung der Judenfrage“. Dabei kam unter anderem das Giftgas Zyklon B zum Einsatz, insbesondere in Vernichtungslagern wie Auschwitz. Die Shoah (hebräisch für „Katastrophe“) war systematisch geplant, ideologisch begründet und industriell durchgeführt. Die Täter? Nicht nur SS-Schergen. Sondern auch Verwaltungsbeamte, Ingenieure, Juristen, Ärzte – Menschen aus der Mitte der Gesellschaft. Getragen wurde der Massenmord von einem Klima aus Angst, Mitläufertum und Gleichgültigkeit. Insgesamt wurden in allen Konzentrationslagern über sechs Millionen jüdische Menschen ermordet. Doch auch Sinti:zze und Rom:nja, politische Gegner:innen, Queere Menschen, BIPoC, Menschen mit Behinderung, Kriegsgefangene und viele weitere marginalisierte Gruppen fielen dem rassistischen und menschenverachtenden System zum Opfer.

Am 27. Januar 1945 befreiten Soldaten der Roten Armee das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau und stießen auf das Grauen des Massenmords. Mindestens 1,1 Millionen Menschen haben allein an diesem Ort ihr Leben verloren. Der Holocaust Gedenktag am 27. Januar richtet sich deshalb nicht nur an die Opfer, sondern auch an uns: Der Tag fordert dazu auf, Verantwortung zu übernehmen – für die Gegenwart und die Zukunft.

Demokratie ist nichts Selbstverständliches

Die Geschichte zeigt: Demokratie kann schnell kippen, wenn sie nicht geschützt wird. Die Weimarer Republik wurde durch Wirtschaftskrisen, Verschwörungsmythen und das gezielte Schüren von Feindbildern langsam ausgehöhlt. Die Folge? Der Aufstieg der NSDAP. Heute beobachten wir erneut bedenkliche Muster: Antisemitismus, Rassismus und Verschwörungsideologien finden neue Formen – in Chats, auf Demos, im Alltag. Eine aktuelle Studie des NDR zeigt: Viele Jugendliche wissen erschreckend wenig über den Holocaust. Das ist ein Alarmsignal – und ein Auftrag an uns alle.

Daher fordern internationale Organisationen wie z.B. die UN, den Holocaust Gedenktag als Anlass zu nutzen, um Bildung über Menschenrechte, Anti‑Diskriminierung und demokratisches Engagement zu stärken. Das fängt im Kleinen an – im Klassenzimmer, im Familiengespräch oder im Kolleg:innenkreis – und reicht bis zu politischem Handeln gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und soziale Ausgrenzung. Der Holocaust Gedenktag ist deshalb mehr als ein Erinnerungsritual. Er ist ein Weckruf dafür, dass Demokratie kein Naturzustand ist. Demokratie kann es nur geben, wenn sie verteidigt und geschützt wird. Jeden Tag.

Überlebende und Zeitzeug:innen warnen eindringlich davor, die Augen zu verschließen. Denn wer Geschichte versteht, erkennt schneller, wie gefährlich Rassismus, Hass und Verschwörungsdenken werden können.

„Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen.“ – Primo Levi

Wie schützt man eine Demokratie im 21. Jahrhundert?

Klingt pathetisch – ist aber Realität: Unsere Demokratie ist in Gefahr. Und zwar durch schleichende Aushöhlung. Desinformation, Hassrede, Ausgrenzung und Angriffe auf Minderheiten können sie Schritt für Schritt untergraben. Deshalb ist demokratisches Engagement nicht nur wünschenswert, sondern notwendig. Also schau nicht weg, sondern gönn dir diese Tipps, wie du Demokratie schützen kannst, und setze sie in deinem Alltag um. Nicht nur am Holocaust Gedenktag, sondern an jedem Tag:

  • Setz dich ein für Respekt und Vielfalt
    Sag laut, wofür du bist: Menschenwürde, Gleichberechtigung und ein faires Miteinander.
  • Geh wählen
    Jede Stimme (gegen Faschismus) zählt.
  • Bleib kritisch aber fair
    Hinterfrage Entscheidungen und diskutier mit, aber spar dir dabei die pauschale Wut auf die Politik.
  • Lass blöde Sprüche nicht durchgehen
    Ob im Bus, im Chat oder auf der Familienfeier: Reagiere, wenn Menschen ausgegrenzt werden.
  • Erinnere dich und andere
    Nutze Gedenktage wie den 27. Januar, um über Geschichte zu sprechen und aus ihr zu lernen.
  • Bleib solidarisch, auch wenn’s unbequem wird
    Stell dich an die Seite derer, die angegriffen oder ausgeschlossen werden.
  • Check deine Quellen und hilf anderen dabei
    Nicht alles, was laut ist, ist wahr. Hinterfrage Infos und verbreite keine Fakes.
  • Zeig Haltung 
    Demo, Sticker, Insta-Post, laut oder leise, ganze egal wie – Hauptsache, du setzt Zeichen für Demokratie.
  • Sei respektvoll, auch bei Meinungsverschiedenheiten
    Demokratie heißt auch streiten – aber ohne Hass.
  • Bleib dran, auch wenn’s zäh wird
    Demokratie ist kein Sprint, sondern ein Langstreckenlauf. Jeder Schritt zählt.

Nicht nur am Holocaust Gedenktag: Nie wieder ist jetzt!

Der Holocaust-Gedenktag ist kein nostalgisches Ritual. Vielmehr zeigt er uns, wie zerbrechlich Freiheit und Menschenrechte sind  und wie stark wir sein müssen, um sie zu verteidigen. Jeden Tag aufs Neue.

Gerade in Zeiten, in denen antidemokratische Kräfte wieder lauter werden, in denen Falschinformationen das Vertrauen in Institutionen untergraben und Menschenfeindlichkeit sich als Meinung tarnt („das darf man ja wohl noch sagen?!?“, brauchen wir einen demokratischen Zusammenhalt, bei dem Mitgefühl, Bildung und Zivilcourage keine altbackenen Tugenden sind, sondern brandaktuelle Tools zur Verteidigung unserer Gesellschaft.


Chrissy Kalla

Das neue subzeroes ist da!

Ab sofort im Shop erhältlich.

Weitere Artikel