Entscheidungs-Marathon: Was wählst du bei der Kommunalwahl 2026?

von | Feb. 26, 2026

Person vor Bücherregal mit vielen Notizen – Sinnbild für Informationssuche vor einer wichtigen Entscheidung wie der Kommunalwahl 2026.

Der erste Teil dieses Beitrags wirkt vielleicht überladen und du fragst dich, worauf wir damit hinaus wollen. Ganz einfach: Während du täglich unzählige Entscheidungen triffst, steht mit der Kommunalwahl 2026 eine an, die nicht im Nebenbei-Modus passieren sollte. Sich darüber nur zwischen Tür und Angel Gedanken zu machen, sollte fast schon verboten sein. Warum das so ist, erfährst du jetzt:

Dein Wecker klingelt, du denkst kurz darüber nach, ob du aufstehst oder auf Snooze tippst. Die Entscheidung fällt dir nicht leicht, aber du schaffst es aufzustehen und in die Küche zu laufen. Erst Kaffee und dann Frühstück oder heute mal andersrum? Diese eine Influencerin hat gesagt, Hafermilch im Kaffee sei nicht so gut. Solltest du deinen Wachmacher vielleicht ab heute schwarz trinken?

Während du die Siebträgermaschine einschaltest, fällt dir ein, dass du noch beim Hautarzt anrufen musst – wegen dieses komischen Ausschlags, du weißt schon… Naja, erstmal Zähne putzen. Hast du inzwischen genug dreckige Handtücher, um eine Wäsche anzuschmeißen? Eigentlich wolltest du ja von Flüssigwaschmittel auf Pulver wechseln. Aber du liebst den Geruch so sehr, weil er dich daran erinnert, dass Mama dir damals für die Klassenfahrt nach Katzenelnbogen extra das Bettzeug frisch gewaschen hat, damit es nach Zuhause riecht. Du bist noch nicht bereit, um dich davon zu verabschieden.

Es klingelt an der Tür. Du schlurfst mit Zahnbürste im Mund zur Sprechanlage.

„Guten Morgen! Haben Sie einen Moment, um mit uns über Glasfaser zu sprechen?“

Hast du einen Moment, um mit ihnen über Glasfaser zu sprechen?

„Nein, sorry“, sagst du.

Super, dein T-Shirt ist jetzt voll mit Zahnpastaflecken. Mit den Handtüchern zusammen waschen? Oder einfach genießen, dass du im Homeoffice bist? Ganz ehrlich? Wir wissen doch alle, wie du dich entscheidest.

Du suchst den besten Song für deine Instagram-Story vom frisch aufgebrühten Kaffee. Privat oder öffentlich posten? Denk dran: die Küche ist nicht ganz so ordentlich – gestern waren deine Friends da und ihr habt zusammen gekocht. Schickst du für den Einkauf deinen PayPal Link in eure Whatsapp-Gruppe oder lädst du sie ein? Du verschiebst die Entscheidung und bewegst dich an deinen Arbeitsplatz.

Die Sonne scheint. Du freust dich. Gleichzeitig spiegelt der Bildschirm unangenehm. Vielleicht ins Wohnzimmer umziehen? Oder doch schnell die Jalousien halb runterlassen? Dann ist es zwar enspannter, aber vielleicht auch zu gemütlich. Willst du Höhlen- oder Produktivitäts-Vibes?

Dein Laptop fährt hoch. Erst Mails checken oder direkt an die Präsentation? Eine neue Mail poppt auf. Betreff: „Dringend“. Wirklich dringend oder nur dramatisch formuliert? Antwortest du sofort oder markierst du sie als ungelesen, um dich später darum zu kümmern?

Dein Handy vibriert. Deine Nachrichten-App schickt dir Push-Benachrichtigungen. Klickst du drauf oder bleibst du fokussiert? Scrollst du fünf Minuten durch Schlagzeilen oder tippst du ganz automatisiert auf Instagram und versinkst im Internet?

Mittags meldet sich dein Magen. Reste von gestern oder schnell was kochen? Oder doch einfach Porridge. Mittags sollte Hafermilch doch wieder okay sein, oder? Rein damit.

Du beschließt, nach dem Essen kurz an die frische Luft zu gehen. Jacke oder reicht Hoodie? Kopfhörer mit Podcast oder einfach Stille? Vielleicht rufst du auf dem Spaziergang deine Oma endlich mal wieder an… FUCK! Der Hautarzt hat schon wieder geschlossen.

Zurück am Schreibtisch. Noch konzentriert arbeiten oder schon mal den Abend planen? Gehst du heute zum Sport oder sagst du dir, dass morgen auch noch ein Tag ist?

Noch ein Tag.

Noch ein Tag.

Uff. Noch ein Tag.

Und noch einer.

Und vielleicht noch einer.

Achso, und davor gab es auch schon einige. Wenn du Glück hast, gibt’s für dich im Schnitt insgesamt rund 27.375 Tage. Und an den meisten dieser Tage triffst du um die 20.000 entscheidungen. Das macht nach Adam Riese (wer ist das eigentlich?) 547.500.000 Entscheidungen im Laufe deines Lebens. Wir wiederholen: fünfhundertsiebenundvierzigmillionen fünfhunderttausend. Das ist mehr, als Trump vom Scheich der Vereinigten Arabischen Emirate bekommen hat. Also kurz gesagt: ziemlich, ziemlich viel.

Schwebende Würfel vor schwarzem Hintergrund – Metapher für Wahlentscheidung und hoffentlich fehlenden bei der Kommunalwahl 2026.

20.000 Entscheidungen am Tag?

Das kommt dir im ersten Moment vielleicht übertrieben vor, aber Schätzungen von Psycholog:innen gehen davon aus, dass wir pro Tag wirklich so viele Entscheidungen treffen. Zwar laufen viele davon automatisiert. Doch jede Entscheidung – ob bewusst oder unbewusst – beansprucht kognitive Kapazität. Zum Glück arbeitet unser Gehirn meistens effizient, sonst würden wir wahrscheinlich regelmäßig an der Frage „Caprisonne oder Dursi?“ scheitern.

Zwei Systeme spielen dabei eine zentrale Rolle: unser analytischer Verstand und unsere emotionale Bewertung. Der Kopf wägt ab, prüft Argumente, denkt langfristig. Der Bauch reagiert schnell, intuitiv, manchmal impulsiv. Solange beide sich einig sind, fühlen wir uns sicher. Wenn nicht, wird es anstrengend. Denn unsere Entscheidungskraft ist nicht unbegrenzt.

Je mehr wir im Laufe des Tages entscheiden, desto eher sinkt die Qualität weiterer Entscheidungen. In der Psychologie spricht man dann von „Decision Fatigue“, der Entscheidungsmüdigkeit. Das ist menschlich. Aber es wird problematisch, wenn wichtige Entscheidungen in diesen Energiesparmodus fallen.

Was sind denn wichtige Entscheidungen?

Zum Beispiel die Kommunalwahl 2026, die im März in einigen Bundesländern anstehen. Mit deiner Stimme bei der Wahl triffst du die Entscheidung, wer für einige Jahre die Verantwortung für deinen Ort bekommt. Diese Verantwortung umfasst Straßenplanung, Baumaßnahmen, Radwege, Schulen und Kitas, Gesundheit, Umweltprojekte, Kultur und Sport – also eigentlich so ziemlich alles, was dein Leben betrifft.

Die Entscheidung, die du bei der Wahl triffst, hat einen ziemlich langfristigen Einfluss auf dich und dein Umfeld: Wie lebenswert ist deine Stadt in zehn Jahren? Gibt es bezahlbaren Wohnraum? Werden Klimaschutzmaßnahmen konkret umgesetzt oder vertagt? Wird in Jugendzentren investiert oder nur darüber gesprochen? Wie transparent arbeitet der Stadtrat? Und wie offen ist Kommunalpolitik für Beteiligung von Bürger:innen?

Kommunalpolitik klingt erstmal kleiner als Bundespolitik. Weniger Glamour, weniger Talkshows, weniger Schlagzeilen. Und irgendwie sind die Fotos auf den Wahlplakate auch oft nicht ernstnehmbar. Aber Kommunalpolitik ist näher dran an deinem Alltag als Bundespolitik. Sie entscheidet darüber, ob der Bus fährt, wenn du ihn brauchst. Ob der Bolzplatz saniert wird. Ob die Schule deiner Kinder modernere Ausstattung bekommt. Ob die Innenstadt lebendig bleibt oder grau und langweilig wird, wie bei Momo von Michael Ende. Und genau deshalb ist diese Wahl im März (NICHT MERZ) so wichtig.

Stimmzettel mit Parteinamen und Ankreuzfeldern – Symbol für die Entscheidung bei der Kommunalwahl 2026.

Uff, also das soll ich auch noch entscheiden?

Ja. Sorry, not sorry. Und es kommt noch dicker: du sollst nicht nur entscheiden, sondern diese Entscheidung auch noch bei klarem Verstand treffen – oh weia!

Wir wissen jetzt also, dass unsere Entscheidungskraft im Laufe eines Tages nachlässt. Deswegen sollten wir uns fragen: Wollen wir eine solche Wahlentscheidung zwischen zwei Terminen treffen? Zwischen Einkaufsliste und Serienstart? Mit dem Gedanken „Ach, wird schon passen“? Besser nicht, oder?

Kommunalwahlen betreffen dein Viertel, deine Wege, deine Möglichkeiten. Sie gestalten den Raum, in dem Demokratie für dich und alle anderen Menschen direkt erlebbar wird.

Deshalb lohnt es sich, die Entscheidung bei der Wahl nicht dem Zufall zu überlassen, sondern bewusst hinzuschauen: Wer kandidiert? Welche Themen werden priorisiert? Welche Konzepte gibt es für nachhaltige Mobilität, für soziale Gerechtigkeit, für wirtschaftliche Entwicklung vor Ort?

Gibt’s bisschen Hilfe für die Entscheidung bei der Kommunalwahl 2026?

Na klar. Um diese Fragen beantwortet zu bekommen, haben wir eine kleine Entscheidungshilfe für dich. Hier kommen die Links zu den Informationsangeboten aus den verschiedenen Bundesländern. Einfach ein paar Fragen beantworten und du bekommst eine Übersicht darüber, inwieweit die Parteien das umsetzen wollen, was dir persönlich wichtig ist:

Hessen

München (für ganz Bayern gibt’s leider kein Angebot)

Baden-Württemberg

Rheinland Pfalz

Aber Achtung: Der Wahl-O-Mat sagt dir nicht, wen du wählen sollst. Er zeigt dir nur, wo du inhaltlich stehst. Deine Wahlentscheidung solltest du nie allein vom Ergebnis abhängig machen. Nutz ihn als Startpunkt, nicht als Wahlempfehlung. Spiel mit den Gewichtungen, check die Begründungen der Parteien und lies nach, warum sie einer These zustimmen oder sie ablehnen – oft stecken ganz unterschiedliche Motive dahinter. Vielleicht änderst du dabei sogar deine eigene Einschätzung.

Frag dich vielleicht einfach mal, welche Partei du wählen würdest, wenn du NICHT deine Lieblingspartei wählen könntest, die schon seit 20 Jahren deine Stimme bekommt. Dabei wird dir vielleicht bewusst, dass sich deine Einstellungen in dieser Zeit verändert haben und eine andere Partei viel besser zu deinen Wünschen passt. Informier dich zusätzlich auf den Seiten der Parteien, vergleich aktuelle Aussagen mit früheren Positionen und prüf, was für dich wirklich zählt.

Also denk dran: 20.000 Entscheidungen am Tag sind normal. Aber manche verdienen mehr Aufmerksamkeit als andere.


Chrissy Kalla

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