Bianca Meyer – RUNNING Company

von | Juli 9, 2025

Bianca Meyer von der Running Company in München

Die Antwort ist 42,195 – und wir haben Fragen …

Für alle, die gerade faul und etwas benommen in der Sonne liegen und es sich viel zu gut gehen lassen (wir wollen hier nicht mit der leeren Aranciata-Flasche auf jemanden deuten – ihr wisst selbst, wo ihr euer Handtuch hingelegt habt!): Stellt ihr euch auch manchmal vor dem vierten Run aufs All-you-can-eat-Schlachtfeld die Frage, ob man im Urlaub nicht doch etwas Sinnvolles machen könnte?

Also nicht unbedingt kulturell wertvoll – wir wollen die Kirche ja im Dorf lassen. Sondern einfach mal fitter heimkommen, als man losgefahren ist. Klingt banal, aber – Hand aufs klopfende Herz: wie oft regt ihr euch schnaufend über den weichen, weißen, aber viel zu breiten Sandstrand auf? So breit, dass man jedes Mal fix und fertig am Wasser ankommt – und sich wegen Wadenkrämpfen und Schnappatmung erstmal hinlegen muss.

Und Vorsicht an der Nordsee, falls ihr trotz Erschöpfung ins Wasser geht: Die einheimische Rettungsschwimmerbrigade lässt in der Regel alles in Ruhe, was auch nur entfernt an eine Kegelrobbe erinnert …

Die Lösung ist ganz einfach – und wir präsentieren sie hier im Interview: Laufreisen mit Bianca Meyer und ihrer RUNNING Company.

Binaca Meyer von der RUNNING Company beim Interview auf dem Trainingsgelände in München

Hallo Bianca. Die erste Frage hast du bestimmt schon hundertmal beantwortet: Wie kamst du denn eigentlich zum Laufen?

Es waren tatsächlich die Olympischen Spiele 1984 in L.A., die mich inspiriert haben – so kitschig das klingen mag. Damals war ich gerade neun Jahre alt und durfte das morgens immer ganz kurz anschauen. 

Ich war damals schon sportbegeistert und da war Carl Lewis, ein sehr erfolgreicher Athlet, der damals, ich glaube, vier Goldmedaillen gewonnen hat. Den habe ich gesehen und fand das so schön, wie der gelaufen ist. Und ich habe gesagt: „Mama, das will ich auch machen.“

Und dann war der Gedanke geboren, so jetzt muss ein Leichtathletikverein her und ich werde der neue Carl Lewis, in weiblich sozusagen. Und ich bin auch wirklich einen Monat später im Leichtathletikverein gestartet.

Der Carl Lewis ist ja auf der Kurzstrecke gelaufen, oder?

Ja, genau. Also mich hat wirklich ein Kurzstreckenläufer inspiriert, aber er war ja auch Weitspringer. Gold geholt hat er über 100 Meter, 200 Meter, viermal 100 Meter und im Weitsprung. Und so habe ich dann auch angefangen: klassisch Leichtathletik. Von Sprint über Sprung bis hin zu Wurf.

Wie verlief denn deine Laufkarriere, wenn du das in Abschnitte einteilst?

Angefangen habe ich bei der sogenannten klassischen Leichtathletik und da im Mehrkampf.

Ich habe in meinem Leben fast jede Disziplin gemacht: 100, 200, 400, 400 Hürden, 800, 1.500, 3.000, 5.000, 10.000 Meter, Hoch- und Weitsprung, Speerwerfen, Kugelstoßen, Diskuswerfen.

Dann habe ich irgendwann festgestellt: Okay, ich laufe nicht annähernd so schnell wie der gute Carl Lewis. Also habe ich etwas gesucht, wo ich mehr Talent hatte. Und da war ich schon in jungen Jahren sehr gewieft und habe gedacht, jetzt gucke ich mal in der Ergebnisliste. Wo starten nicht so viele, weil, du willst ja eine Urkunde haben.

Und das war beim 800-Meter-Lauf, da sind in Summe nur 15 gelaufen. Also dachte ich mir: gut, da musst du nur sieben hinter dir lassen. Im nächsten Jahr habe ich dann diesen 800-Meter-Lauf gemacht und eine Urkunde bekommen.

Von da an ging es aber nur langsam vorwärts. Eigentlich ging es sogar erst mit 16 so richtig los, denn der Ausdauersport ist ein dankbares Feld: wer trainiert, wird besser. Also ging es dann einen Schritt weiter, auf das Level der Bayerischen Meisterschaften. 

Ausdauersport
ist ein dankbares
Feld: wer trainiert,
wird besser.“

Und dann habe ich den Verein gewechselt, bin also leistungsambitioniert in einen Verein gegangen, wo ich eine sogenannte Langstrecken-Staffel, damals 3 x 800 Meter, laufen konnte. Das war der FC Puchheim, und dort bin ich dann immer hingefahren. Mit der S-Bahn, 3-mal in der Woche, von München jeweils eine Stunde Fahrtzeit einfach zum Training hin und vom Training zurück. 

Das hat mir aber total Spaß gemacht und wir wurden immer besser und waren auch bei Deutschen Meisterschaften im Endlauf. Unser bester Platz der Staffel war der sechste Platz in Berlin. War leider nicht das Berliner Olympiastadion, aber im Jahn-Sportpark. Auch ein relativ großes Stadion. Dort gegen die deutsche Elite zu performen war schon toll.

Aber es gab natürlich auch Rückschläge, oder?

Ja, ich erinnere mich an eine Deutsche Meisterschaft in Erfurt. Wir waren angetreten mit den Teilnehmerinnen Meyer, Müller und Metzger.

Es gibt bei Wettkämpfen einen sogenannten Call Room. Da geht man eine Stunde vor dem Start hin, wird mit Namen aufgerufen, abgeholt, und dann geht man ins Stadion hinein. Wir wurden vorgelesen und da brach dieser komplette Call Room in Gelächter aus. Ja, man hat uns quasi ausgelacht für unsere Namen. Wir fanden es maximal beschämend, haben gesagt: So, wir zeigen es euch auf der Bahn. Und dort haben wir dann noch das Staffelholz verloren. Also es war das völlige Desaster, aber das gehört eben auch zum Sport dazu.

Ich wurde langsam von Jahr zu Jahr immer besser, und dann, im Jahr der Mittleren Reife, bin ich auf einmal 15 Sekunden schneller gelaufen, von 4:45 ungefähr auf 4:30 auf 1.500 Meter. Konnte ich mir nicht erklären. Ich habe alles wie immer gemacht. Aber plötzlich war ich vorne, bin im Einzel bei den Bayerischen Meisterschaften mitgelaufen und konnte mich sogar für die Deutschen Meisterschaften qualifizieren. Zu dieser Zeit habe ich dann aber festgestellt, dass mir eigentlich längere Strecken besser liegen. Da bin ich dann eher die 3.000 Meter, 5.000 Meter, auch 10.000 Meter gelaufen.

Nach dem Studium bin ich nach Berlin gegangen und das war eine Zäsur. Ich bin noch für den Verein in München gestartet, habe aber in Berlin trainiert und dazu auch noch gearbeitet. Das hat alles nicht so wirklich funktioniert. Obwohl ich alles so gemacht habe wie vorher, bin ich dann plötzlich wieder 10 Sekunden langsamer gelaufen. Da habe ich dann irgendwann keine Lust mehr gehabt, morgens um 6 Uhr auf der Bahn die ersten Trainingsläufe zu machen und habe aus Frust komplett aufgehört.

Und so saß ich dann immer nach dem Büro zu ungewohnter Zeit zu Hause, so gegen 18, 19 Uhr, und wusste gar nichts mit mir anzufangen. Ich habe dann irgendwelche Vorabendsendungen angeguckt, die ich alle nicht kannte, weil ich zu dieser Zeit vorher nie zu Hause war, hab Chips gegessen und das lief dann so ein halbes Jahr. Irgendwann war es mir aber doch zu langweilig und zu blöd. Ich musste wieder was tun und habe mir in Berlin einen Verein gesucht. Aber mit Bahnwettkämpfen wollte ich nicht wieder anfangen, also fing ich mit Straßenlauf-Wettkämpfen an.

Das habe ich schon vorher in München ab und zu mal nebenher gemacht, aber eigentlich ging es dann erst richtig los.

Meinen ersten Marathon habe ich aber tatsächlich sogar schon viel früher gemacht, aber das war mehr so eine Fun-Sache während der Ausbildung 1995 in Frankfurt. Da hat ein Kollege gesagt, er läuft jetzt beim Frankfurt-Marathon, und ich sagte, super, wann ist denn der, da laufe ich mit. Das war sehr kurzfristig und so bin ich meinen ersten Marathon mit gerade mal vier Wochen Vorbereitung gelaufen. Ich hatte also keine Ahnung und stand dann irgendwie 1995 im Oktober in Frankfurt am Start in der letzten Reihe und dachte mir: Super, dann überholst du nur die ganze Zeit, das gibt ja schon ein gutes Gefühl. 

Ich war natürlich fit, hatte aber trotzdem ein bisschen Angst, wegen dieser ominösen „Mann mit dem Hammer“-Geschichte, der einem angeblich gegen Ende schlagartig die Kraft nimmt. Lief aber alles super, total easy. Ich hab dauernd Leute überholt, und bei 500 Überholten aufgehört zu zählen. Irgendwann war ich im Ziel und dachte mir, also Marathon ist irgendwie halb so wild. Ich hab auf meinen Kumpel gewartet, der war noch auf der Strecke, und habe mir gedacht, also so schlimm, wie die alle immer tun, finde ich das jetzt wirklich nicht. Ich saß da im Ziel auf so einer Bierbank, habe auf ihn gewartet und dann denke ich mir, ja, jetzt gehst du mal, ziehst dich um, wird langsam kalt.

„Ich dachte mir,
also Marathon
ist irgendwie
halb so wild –
und dann will ich
von dieser Bierbank
aufstehen und
es geht nicht. “

Ich will also von dieser Bierbank aufstehen und es geht nicht. Ich konnte nicht mehr aufstehen. Ich habe dann zwei Männer gebeten, mich hochzuziehen und da habe ich erst gemerkt, dass ich quasi muskulär völlig zerstört war und dass Marathon doch auch ein bisschen anstrengend ist. Wenn auch nicht von der Pumpe her, dann doch für die Muskulatur.

Das war also mein erster Marathon, aber später dann in Berlin wurde ich tatsächlich damit auch das erste Mal so ein bisschen erfolgreich. Ich habe dann auch immer am Berlin-Marathon teilgenommen, bin auch 2005 meine Bestzeit gelaufen mit 2:48 h und war damit beim Berlin-Marathon im Frauenfeld die 20-schnellste Frau. Das hat auch für einen Zeitungsartikel gereicht und ich wurde als „schnellste Berlinerin“ so ein bisschen durch die Presse gejagt. Dadurch stand ich dann auch beim nächsten Berlin-Marathon wieder neben der Olympiasiegerin aus Japan in der ersten Reihe. Das war schon cool. 

Später bin ich wieder zurück nach München gegangen und habe bei Siemens in der Unternehmensberatung angefangen. Da war dann nichts mehr mit nebenher noch trainieren und damit hab ich eigentlich meine ganz ambitionierte Sportlaufbahn mal wieder beendet – also zum zweiten Mal nach der Berliner Zeit. 

Ich war drei Jahre in der Beratung, Vollzeit und mit allem, was dazugehört, und hab danach ein Sabbatical gemacht. Dabei kam dann die Idee mit der RUNNING Company auf und ich hab wieder mit ambitionierterem Laufen angefangen. Denn ich hatte mir gedacht: Um mit der RUNNING Company bekannt zu werden, hilft es, wieder erfolgreich zu sein. 

Damit kam dann auch so ein zweites Karriere-Highlight, obwohl ich schon 43 war, aber das geht im Ausdauersport. Mein langjähriger Traum war es, einmal den München-Marathon zu gewinnen. Ich bin immer mitgelaufen und Zweite oder Dritte geworden und dann hat es 2017 doch endlich geklappt und ich war super happy.

Cool. Also bist du wirklich drei Jahre da mit so einem Rollköfferchen durch die Gegend gezogen und hast Beraterin gespielt? Weltweit oder nur in Deutschland?

Ja, doch weltweit. Ich hatte Projekte in Helsinki, in San Francisco, aber natürlich auch in Deutschland, in München, in Erlangen, Regensburg.

Da hat man nicht viel Freizeit nebenbei, kann ich mir vorstellen?

Nee, genau, also das war wirklich der Auslöser, dass ich gesagt hab, ich will was anderes machen. Dazu kam, dass ich, bevor ich zu Siemens kam, schon fünf Jahre in der Industrie gearbeitet habe. Und da hab ich mir gedacht, naja gut, dann gehst du jetzt in die Beratung und danach eine andere Aufgabe im Konzern. Aber während ich bei der Siemens Management Consulting war, hat Siemens einige Geschäftsfelder aufgegeben. Damit war mein Berufsplan weg.

Und das war so ein bisschen der Trigger, mal über mein Leben nachzudenken. Ich kannte das Konzept Laufschule aus Berlin und da hab ich mir gedacht, ja gut, dann probierst du das halt jetzt einfach mal aus.

Das klingt jetzt alles so leicht, aber es hat schon gedauert. Das war ein langer Prozess, einen gut bezahlten, tollen Job mit Karrieregarantie aufzugeben, um eine Auszeit zu nehmen, beziehungsweise zu kündigen. Und wenn’s nicht klappt, dann steh ich da. 

Aber dann hat es sich kurzfristig ergeben, dass ich Schwangerschaftsvertretung für ein Jahr machen konnte, also Teilzeit weiterarbeite. Das war quasi der Start für die RUNNING Company und ich habe sofort gemerkt, wie viel Spaß mir das macht. Und so begann sozusagen dieser Teil meines Lebens.

In welchem Jahr bist du mit der RUNNING Company
gestartet?

Das war 2008.

Laufen ist ja ein wichtiger Teil deines Lebens. Was sind denn deine Motivatoren? Was fehlt dir, wenn du aufhören würdest, zu laufen?

Das sind zwei bis drei Sachen und das hat sich auch im Lauf der Zeit verändert.

Früher war es tatsächlich der Antrieb, Erfolg zu haben und zu erleben. Ich laufe nicht, weil ich jetzt Laufen so schön finde, sondern weil ich weiß, wenn ich trainiere, dann werde ich besser, und wenn ich dann irgendwo antrete, kann ich irgendwas gewinnen.

Also das war früher mein absoluter Nummer-eins Motivator, und da kam eigentlich wenig danach. Das hat sich verändert, denn wenn man älter wird, wird man irgendwann nicht mehr besser, andere aber schon, und dann fällt das einfach weg.

Mittlerweile ist es so, dass ich einfach gerne körperlich fit bin. Also, dass ich weiß, ich kann einfach mal 30 Kilometer oder sogar einen Marathon laufen. Das macht mir Spaß. Das ist der eine Aspekt. Und der andere ist: Ich kann schlechte Laune haben oder ich kann überhaupt nicht weiterkommen. Dann gehe ich laufen und es geht mir danach einfach besser.

Das gilt jetzt nicht für jeden Lauf und hat dann auch nichts mit irgendwelchen Trainingsgedanken zu tun. Ich muss dann einfach raus und mich bewegen. Ich bin dann mal eine Stunde allein für mich und wenn ich wiederkomme, bin ich wirklich ein anderer Mensch.

Das heißt, die Entzugserscheinung ist, du wirst grantig, wenn du nicht zum Laufen kommst?

Ja, genau. Wobei ich glaube, ich bin da nicht das klassische Beispiel. Es gibt ja Menschen, die sagen, ich kann nicht eine Woche nicht laufen.

Ich kann das wunderbar. Ich kann mich auch vier Wochen auf die Malediven legen und keinen Meter laufen. Da habe ich kein Problem damit, wenn das sozusagen meine gewählte Entscheidung ist.

Anders ist das, wenn ich zum Beispiel verletzt oder krank bin und nicht laufen kann. Dann hab ich immer ganz viel Lust und die allergrößte Motivation überhaupt und bin ganz schlecht drauf, weil ich dann nicht das tun kann, was ich gerne möchte.

„Also ich kann auch ohne Laufen,
aber ich möchte nicht
mein ganzes Leben
ohne Laufen bestreiten müssen.“

Was macht denn deine Sehne? Da hattest du ja Probleme?

Ja, ist gerade wieder vor vier Wochen viel schlechter geworden. Das war eine neue Therapie, die voll nach hinten losgegangen ist. Ich konnte nicht mal mehr gehen ohne Schmerzen.

Also, es war ein ziemliches Desaster. Ich glaube, da muss man wohl Geduld haben.

Jetzt hast du ja gesagt, nächste Woche geht ein Trainingscamp los, da musst du ja laufen können, oder?

Ja, idealerweise schon. Aber wenn nicht, dann ist es so. Ich habe jetzt mal einfach einen Trainer mehr eingeplant, sodass ich dann je nachdem sagen kann: Ich kann laufen, ich muss aber nicht.

Oder ich fahre einfach mit dem Fahrrad mit. Das geht auch immer mal.

Was war der schlimmste Tag in deinem Läufer-Leben? Also was war denn der Tiefpunkt, was du mit Laufen in Verbindung bringen kannst?

Das war zu der Zeit, als ich nach Berlin gegangen bin und noch versucht habe, super-ambitioniert Sport zu treiben. Da bin ich bei einer Süddeutschen Meisterschaft in Ulm im 5.000-Meter-Lauf gestartet und wollte dort noch die Qualifikation für die Deutsche Meisterschaft laufen.

Dabei musst du eine gewisse Zeit schaffen und ich habe schon nach drei Runden gemerkt, dass es nicht geht. Ich war zu langsam und der Rückstand wurde immer größer und die Platzierung auch immer schlechter.

Und dann habe ich etwas gemacht, was ich nur einmal in meinem Leben gemacht habe: Ich bin aus diesem Rennen ausgestiegen. Ich habe es einfach nicht beendet.

Nicht, weil mir irgendetwas wehgetan hat oder weil ich einen Zusammenbruch hatte oder so, sondern einfach, weil ich so enttäuscht von mir selbst war.

Und was war der beste Augenblick?

Ja, der beste Augenblick ist auch ganz leicht: Das war der Gewinn des München-Marathons, der Einlauf ins Olympiastadion als Erste und dann noch eine Runde im Olympiastadion zu laufen.

Dann wurde vor mir dieses Zielbanner gespannt und ich hatte immer davon geträumt, einmal in meinem Leben durch dieses Zielbanner zu laufen. Und dann bekommst du noch einen riesigen Lorbeerkranz als Siegerkranz umgehängt.

Das war tatsächlich der beste Laufmoment meines Lebens.

Hat sich die Vision, was du mit der Running Company machen willst, irgendwann verändert?

Total. Hat sich völlig verändert.

Zu Beginn war die Idee, deswegen auch der Name RUNNING Company: Ich wollte eigentlich rein Firmenfitness und betriebliche Gesundheitsförderung machen. Und dass dann als Franchise aufziehen und skalieren. Also alles, was man sich so in der Beratung als Konzepte für Kunden halt mal ausgedacht hat, sozusagen.

Ich hab dann aber schnell festgestellt, dass das mit der Firmenfitness nicht so leicht ist, weil Firmen wahnsinnig lange brauchen, um da mal in die Puschen zu kommen. Und dass 2008 das Thema noch lange nicht so en vogue war, wie das heutzutage tatsächlich der Fall ist.

Also habe ich schon parallel angefangen, Privatpersonen zu betreuen. Und das lief dann sofort ziemlich gut.

Gibt es kleine Tricks, die du gelernt hast, um Leute zu motivieren, die sie auch selber anwenden können?

Total. Das ist jetzt keine revolutionäre Antwort, aber am wirkungsvollsten ist es, sich zu verabreden. Weil abzusagen ist dann schon mal eine größere Hürde.

Dann bin ich ein großer Fan von regelmäßigen Tagen. Also feste Tage, wo man das Laufen auch in seinen Kalender einträgt. Am besten noch mit einer festen Uhrzeit. Das steigert die Erfolgschancen enorm.

Und, um noch einen dritten Punkt zu nennen: ein Ziel setzen. Das war bei mir immer mein Trigger Nummer eins. Wenn ich ein Ziel hatte, auf das ich hintrainiert habe, dann bin ich auch abends um neun noch raus.

„Motivation braucht Ziele:
Wenn ich ein Ziel hatte,
auf das ich hintrainiert habe,
dann bin ich auch
abends um neun noch raus.“

Jetzt hast du ja dein Hobby zum Beruf gemacht. Was machst du jetzt als Hobby zur Entspannung?

Also tatsächlich hat sich das bei mir gar nicht geändert. Ich würde Laufen immer noch als mein Hobby bezeichnen.

Ich habe jetzt deswegen keine neuen anderen Hobbys und ich sehe es eher als Privileg an, dass ich das, was mir wahnsinnig viel Spaß macht, jetzt auch noch als Beruf machen darf.

Aber auch bei mir gilt: Wenn es draußen dunkel ist, gerade mal minus drei Grad hat und Matschepampe auf der Straße liegt, sage ich jetzt nicht: „Chakka, super, ich darf laufen gehen, yeah!“ Da habe ich dann auch keinen Bock. Aber die größte Motivation im Moment ist sowieso, wenn wieder einer meiner Schützlinge sagt, „Boah, super, jetzt merke ich, dass es vorwärts geht!“. Oder wenn ich Leuten Trainingspläne schreibe, und dann kommt ein Dankeschön zurück, als E-Mail mit ganz vielen Emojis verziert. Das ist so toll. Ich meine, das ist schon schön zu lesen, da freut man sich einfach drüber.

Vielleicht hast du einfach auch Glück gehabt, stell dir mal vor, dass die Pläne vom Anfang aufgegangen wären, du wärst nur Managerin, würdest gar nicht Kontakt zu den Leuten haben, die so begeistert reagieren.

Also in der Tat habe ich häufiger schon darüber nachgedacht. Vielleicht würde mir das auch super Spaß machen, ich will es nicht ausschließen. Aber im Moment glaube ich, dass mein persönliches Glück sehr viel größer ist, so nahe an den Leuten dran zu sein. 

Man redet ja nicht nur über das Laufen beim Laufen. Du redest ja dann über alles, kannst einen viel engeren Kontakt halten und du bekommst einen viel besseren Einblick in das Seelenleben. Und viele sind auch Freunde geworden. 

Was sind denn die Zukunftsentwicklungen bei der Running Company?

Eine zeitgemäße Entwicklung für uns ist es, mehr Laufcamps an Orten anzubieten, die man mit dem Auto oder der Bahn erreicht, wo man nicht unbedingt hinfliegen muss. Wir werden also nicht nach Mallorca gehen, und es wird bei einem Termin im Januar auf Lanzarote bleiben. Das ist im Januar dem Wetter geschuldet, aber Höhentraining in Livigno, auf der Seiser Alm oder Lauftraining im Allgäu sind zeitgemäßer.   

Cool, jetzt sind wir schon durch, das war ja spannend. Vielen Dank für deine Zeit und viel Spaß beim nächsten Laufcamp. Wo geht es hin?

Nach Livigno. Schön laufen und lecker essen.

Na dann viel Spaß!

Ganz sicher. Vielen Dank!


Biancas „RUNNING Company“ ist Münchens erste Adresse für Anfänger und ambitionierte Läufer bis hin zu Marathonläufern. Mit umfangreichem Trainingsangebot und tollen Laufreisen zur Top-Form. Die Reisen kann man natürlich auch als Nicht-Münchner buchen 😉

Alle Infos zur RUNNING Company findet ihr auf der Website: www.runningcompany.de


Interview:
Frank Krupka
Fotos:
Andrea Krupka

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