Melania – die gefährliche Nullnummer

von | Feb. 5, 2026

Melania look alike

Warum wir nicht ins Kino gegangen sind

Man erlebt dieser Tage einen seltenen Moment globaler Übereinstimmung. Unabhängig von Herkunft, Bildung oder politischer Detailkenntnis wissen erstaunlich viele Menschen sofort, wer gemeint ist, wenn man nur sanft andeutet: ein Lügen-Diktator, ein größenwahnsinniger Möchtegern-King, ein notorischer Täter-Schützer. Man muss weder die Farbe Orange noch das Wort Immobilie bemühen, damit alle nicken.

Und genauso einvernehmlich sind wir alle nicht ins Kino gegangen, um die hart beworbene Dokumentation der sogenannten First „Lady“ anzuschauen.

So viel Einigkeit macht doch fast gute Laune. Fast.

Warum niemand diese Doku sehen will

Was sind die Gründe für die kollektive Hof-Knicks-Verweigerung trotz Aussicht auf Popcorn? Lag es daran, dass wirklich niemand noch mehr über diese Dame wissen wollte, als man aus zwanzig nackten Jahren Modelkarriere ohnehin schon weiß?

Oder daran, dass das Interesse überschaubar ist, was der knietief in die MeToo-Affäre verstrickte Regisseur leisten kann, wenn er beide Hände in seinen eigenen Jackentaschen hat?

Oder war vielen schlicht klar, dass hier keine Filmkunst stattfindet, sondern eine angehende Autokratie ihren ganz persönlichen Leni-Riefenstahl-Moment sucht?

Die spröde Wahrheit dürfte sein: Viele Menschen haben diese Familie schlicht satt.

Nicht politisch differenziert satt, sondern existenziell. Übrig bleibt ein spezielles Restpublikum, krass rechts der Mitte, schon bis zur Hüfte im Rabbit Hole – mit einem schwer erklärbaren, leicht perversen Interesse.

Kein Rätsel, kein Opfer, kein Versehen

Es gibt nichts mehr auszuleuchten.

Melania Trump ist keine Gefangene. Sie ist Teil eines Duos, das sich zusammengetan hat, um so viel Kohle wie möglich zu scheffeln – und dabei zufällig eine Demokratie schreddert.

Sie macht daraus nicht einmal ein Geheimnis. Wir erinnern uns an die Jacke:

„I really don’t care. Do U?“

Oh yes. We care.

Unsere Demokratie ist uns nicht egal. Oder unsere Wirtschaft, unsere Verhältnisse zu befreundeten Staaten, oder generell die Sicherheit und das Wohlergehen aller Menschen, die man nicht wegen einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung, Neid, Gier, Missgunst oder Spieltrieb gefährden sollte.

Das törnt normale Menschen extrem ab.

Die Kamera als Ablenkungsmaschine

Dokumentarfilm bedeutet Auswahl. Fokus. Verantwortung.

Eine Kamera zeigt nie die Wahrheit, sondern immer eine Entscheidung: Worauf schaust du – und was blendest du aus? Meist sehen wir den Star. Nicht den Assistenten mit dem Aufheller.
Nicht die kahle Wand rechts neben der Fotografin.
Nicht die gelangweilte Art-Directorin, die mit dem letzten Bagel vom Buffet flirtet.

Eine Kamera kann Sichtweisen verändern, Verborgenes sichtbar machen, Machtstrukturen offenlegen.

Oder – wie in diesem Fall – man richtet sie absichtlich auf ein im wahrsten Sinne des Wortes nichtssagendes Objekt, um von dem abzulenken, was daneben passiert.

Blattgold statt Blattschuss.
Hut statt Mut.
Leere Hülle statt Schnauze voll.

Sinnloses Geblubber über „Fäschn“, während das Volk zum Aufstand provoziert wird.
Oder meint sie „fäschism“?

Propaganda braucht keine Menschen mit Charakter

Dass hier keine intellektuellen Höhenflüge zu erwarten waren, überrascht niemanden. Das sogenannte Einstein-Visum wurde mit ungefähr derselben Berechtigung vergeben wie der FIFA-Friedenspreis an ihren Mann.

Propaganda braucht keine klugen Köpfe.

Sie braucht Projektionsflächen.

Und sie braucht Geld.

Geld, Gefälligkeiten und ein schaler Beigeschmack

Noch bevor das erste Bild zu sehen war, stand eine Zahl im Raum, die auffällig drüber wirkt: rund 40 Millionen Dollar allein für den Deal. Produziert werden musste auch noch. Das Marketingbudget soll weitere 35 Millionen verschlungen haben.

Das klingt weniger nach dem Glauben an einen Blockbuster als nach gekauften Gefälligkeiten.

Nach Nähe. Nach Absicherung. Nach allem – nur nicht nach Kunst.

Spätestens seit bekannt ist, dass sich zwei Drittel der Produktionscrew aus dem Abspann haben streichen lassen, ist die Idee einer qualitativ hochwertigen und „unvoreingenommenen“ Betrachtung endgültig erledigt.

Warum Wegsehen hier richtig ist

Normalerweise gehört es zum Job, sich auch mit Menschen zu beschäftigen, die man nicht leiden kann. Aber hier macht der politische Ballast jedes Interesse moralisch unmöglich. Ignoranz war in diesem Fall die richtige Entscheidung.

Denn während in Washington zur Premiere Champagner floss, wurde am selben Tag in Minneapolis ein weiterer US-Bürger von staatlichen Rollkommandos getötet.

Kein Kommentar. Kein Innehalten.

I really don’t care.

Ein leiser Boykott

Es ist wohltuend, dass so viele Menschen diesen Film nicht gesehen haben. Eine seltene, gewaltfreie Form von Verachtung.

Wenn im Sommer ähnlich viele Menschen Fußballspiele boykottieren würden, wäre das auch ein starkes Zeichen. Aber vermutlich bleibt es beim Wunsch.

Nachsatz:

So niedrig die Zustimmung zu dieser Regierung auch ist – 36 oder 38 Prozent sind immer noch eine erschreckend große Zahl von Menschen, die wütend und aufgehetzt dabei helfen, ihr Land in ein Paradies für Faschisten zu verwandeln.

Das sollte man nicht aus dem Fokus verlieren.


Frank

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