Die Mitfahrgelegenheit App RRIVE ist eine innovative Idee für spontanes, flexibles Ridesharing – gedacht für eine nachhaltige Mobilität von morgen.
Digitale Geschäftsideen geraten erst durch die richtige Kombination der Zutaten auf die Überholspur. Aus „Können wir, braucht aber niemand“ und „Können wir nicht, aber jeder will es“ zaubert man am besten eine Idee der Kategorie „Können wir – und jeder will es“. Und BÄMM, schon läuft der Laden. Nicht nur das: Er könnte sogar per App umweltfreundlich mitgenommen werden. Aber lest selbst. Wir redeten mit dem CEO Jan Loescher …
Wie bist du hier gelandet, wo du heute bist? Studium, Geschäftsidee, Gründung, wo hast du deine Partner kennengelernt?
Ich bin in Brüssel aufgewachsen, einer großen, internationalen und gut vernetzten Stadt. 2016 zog ich nach Deutschland, um in Koblenz zu studieren. Um Mietkosten zu sparen, wohnte ich bei meiner Familie in einem kleinen Dorf, etwa 50 km entfernt. Mein Plan: einfach pendeln. In Brüssel hatte das immer gut funktioniert, doch schnell merkte ich, dass der ÖPNV hier nicht alltagstauglich war. Täglich vier Stunden unterwegs zu sein, nur um zur Uni zu kommen, war auf Dauer nicht tragbar. Also kaufte ich mir ein Auto – eine teure, aber zeitsparende Lösung.
Eines Tages fuhr vor mir ein Auto auf die Bundesstraße auf und bog am Ende der Strecke genau wie ich auf den Uniparkplatz ab. „Perfekt!“ dachte ich mir. Über Jodel konnte ich den Fahrer ausfindig machen, aber wir stellten schnell fest, dass es mit bestehenden Lösungen kaum möglich war, flexibel Fahrgemeinschaften zu bilden. Das war der Moment, in dem die Idee für RRive entstand: Eine App, die eine spontane Mitfahrgelegenheit möglich macht, ohne große Kompromisse bei Flexibilität oder Sicherheit.
Nach einer Beratung im Gründungsbüro der Uni wurde mir geraten, ein Team zusammenzustellen. Felix Bonn kannte ich bereits von früheren Start-up-Projekten und stellte ihm die Idee als Erstes vor. Er war sofort begeistert und kam ins Team. Gemeinsam suchten wir nach einem technischen Mitgründer und fanden im Fachbereich Informatik Marin Althuis, einen talentierten Softwareentwickler. 2019 starteten wir mit der Entwicklung von RRive und gründeten 2021 die GmbH. Im April feiern wir unser vierjähriges Bestehen.
Was begeistert dich gerade in deinem privaten Leben? Z.B. Technik, Musik, Film/Fernsehen, Politik, Urlaub – alles geht.
Ich bin vielseitig interessiert und lasse mich schnell für Neues begeistern. Besonders fasziniert mich Softwareentwicklung, auch abseits meines Berufs. Ich liebe es, Abläufe in meinem Alltag zu optimieren – selbst kleinste Verbesserungen motivieren mich. Außerhalb der Technik bin ich gerne in der Natur unterwegs, sei es beim Wandern mit meiner Partnerin oder beim Fotografieren.
Was begeistert dich gerade in deinem beruflichen Leben?
Ein Start-up zu führen bedeutet jeden Tag Spannung und unvorhersehbare Entwicklungen. Plötzlich könnte sich eine neue Partnerschaft ergeben, die alles verändert. Diese Dynamik begeistert mich. Dazu kommt, dass sich die Softwarewelt rasant weiterentwickelt, insbesondere durch KI. Jeden Tag entstehen neue Möglichkeiten, Technologien für RRive zu nutzen und weiterzudenken.
Was treibt dich persönlich an, neue Ideen zu entwickeln?
Ich folge dem Prinzip: „Probieren geht über Studieren“. Statt ewig zu analysieren, fange ich einfach an und teste. Klappt es, motiviert das ungemein. Klappt es nicht, lerne ich daraus und probiere einen anderen Ansatz. Diese schnellen Experimente treiben meine Kreativität an und sorgen dafür, dass mir nie langweilig wird. Ich glaube, dass gute Ideen nicht erzwungen werden können. Wer mit offenen Augen durchs Leben geht, entdeckt überall Potenzial für Verbesserungen.
Wie würdest du die Mission deiner Arbeit in einem Satz zusammenfassen? Was möchtest du mit deinem Engagement oder deiner Expertise bewirken, beruflich und privat?
Wir wollen Mobilität umweltfreundlicher und sozial gerechter machen. Mobilität ist der Schlüssel zur gesellschaftlichen Teilhabe, doch aktuell ist sie oft teuer, ungerecht verteilt und nicht für alle nutzbar. Wir glauben, dass eine nachhaltige Verbesserung große gesellschaftliche und klimapolitische Fortschritte bringen kann. Daher setzen wir alles daran, dieses Ziel mit unserer Technologie zu erreichen. Auch politisch engagiere ich mich, z. B. im Mitfahrverband e.V., um das Thema voranzutreiben.

Beschreibe kurz eure Geschäftsidee und den Auslöser.
Die Idee entstand aus einem persönlichen Problem: Wie kann ich flexibles Mitfahren möglich machen, ohne große Umstände oder starre Pläne? RRive nutzt ein integriertes Navigationssystem, das Fahrende in Echtzeit an ihr Ziel lotst und gleichzeitig analysiert, wo sie mit minimalem Umweg jemanden mitnehmen könnten. Sobald eine Anfrage eingeht, prüft die App in Sekundenbruchteilen, ob eine Mitnahme sinnvoll ist. Falls ja, wird die Navigation angepasst und die Fahrt kann losgehen. Mitfahrende zahlen eine kleine Kostenbeteiligung, von der RRive eine Provision erhält.
Wie sollte Mobilität im Idealfall in 10 Jahren aussehen?
In zehn Jahren sollte Mobilität vor allem umweltfreundlich und effizient sein. Wir besitzen bereits Millionen von Autos, die kaum ausgelastet sind. Wenn Fahrten und Fahrzeuge konsequent geteilt würden, bräuchten wir weniger Autos, weniger Parkraum und hätten eine sauberere, bezahlbarere und gerechtere Mobilität.
Welche Veränderung ist deiner Meinung nach am wichtigsten, um diese Zukunft Realität werden zu lassen: gesellschaftlich, politisch oder technisch, und warum?
Technisch sind wir bereit, aber politisch und gesellschaftlich gibt es noch viel zu tun. Die Politik muss praxistaugliche Lösungen fördern, statt nur Extreme zu diskutieren. Mitfahren muss attraktiver werden – dafür setzen wir uns im Mitfahrverband ein. Gesellschaftlich braucht es Offenheit für neue Konzepte.
In Deutschland herrscht oft Misstrauen gegenüber innovativen Lösungen. Andere Länder wie Frankreich sind hier schon viel weiter. Wir müssen lernen, pragmatischer zu denken und Neues schneller auszuprobieren.

Was sind die nächsten drei Schritte, die ihr gehen müsst, um in Zukunft ein wichtiger Teil der Mobilität zu sein?
- Erfolgreicher Marktstart: Wir sind aktuell im Testbetrieb und sehen vielversprechende Ergebnisse. Für einen großen Launch benötigen wir Kapital und ein starkes Team.
- Alltagslösung statt Nische: Mitfahren ist nicht nur für Studierende oder Umweltbewusste. Wir wollen zeigen, dass es eine smarte und bequeme Alternative für alle ist.
- Nachhaltige Wirtschaftlichkeit: Langfristig muss RRive finanziell tragfähig sein. Skaleneffekte werden dafür sorgen, dass wir unser Angebot stetig verbessern und wachsen können.
Hast du einen Tipp zum Thema Start-up, verlässliche Fakten, Inspiration (Buch, Podcast, Website), auf die du regelmäßig zurückgreifst?
Redet über eure Idee! Je mehr Feedback ihr bekommt, desto besser. Eine gute Idee bringt nichts, wenn sie nur in eurem Kopf bleibt. Erst durch Gespräche mit anderen erkennt ihr Schwachstellen und könnt sie verbessern. Traut euch, rauszugehen und eure Vision zu teilen!
Vielen Dank für das Gespräch.
Fotos: RRIVE




