World Design Capital 2026: Frankfurt RheinMain beweist, wie politisch Gestaltung sein kann

von | Jan. 16, 2026

Eindrücke vom El Barrio Festival 2025 im Rahmen des Museumsuferfests Frankfurt. World Design Capital 2026 WDC 2026 projiziert verschiedene Kampagnen und Events auf die Fassade des Museums Angewandte Kunst, aufgenommen am 30.08.2025

Wenn eine Region zur Designhauptstadt der Welt wird

2026 ist es so weit: Frankfurt RheinMain wird zur World Design Capital – und zwar als erste Region in Deutschland überhaupt. Klingt nach Hochglanz und Architekturpreis? Ist es auch ein bisschen. Aber eigentlich geht’s um viel mehr: um Design als Werkzeug für eine lebenswerte, gerechte und demokratische Gesellschaft .

Das Motto ist eine klare Ansage:

„Design for Democracy. Atmospheres for a better life.“

Klingt erstmal poetisch, hat aber politische Sprengkraft. Denn hier wird Gestaltung nicht als Luxusdisziplin, sondern als Alltagspraxis verstanden – in der Stadtplanung, im Bildungssystem, auf dem Wochenmarkt oder im Club. Die Region will zeigen: Gestaltung ist nicht elitär, sondern etwas, das uns alle angeht. Denn wie unsere Städte aussehen, wie wir lernen, arbeiten oder feiern – das ist nie neutral. Es ist immer gestaltet. Und damit immer auch politisch.

Was ist die World Design Capital?

Die World Design Organization (WDO) vergibt den Titel alle zwei Jahre an Städte oder Regionen, die Design als Innovationstreiber nutzen. Frankfurt RheinMain wurde ausgezeichnet, weil hier gleich 31 Städte und Landkreise gemeinsam zeigen wollen, wie man mit Design demokratische Strukturen stärkt – von Offenbach bis Wiesbaden, von Darmstadt bis Hanau.

Es ist ein Mammutprojekt mit rund 16 Millionen Euro Budget, getragen von Land, Kommunen, Kulturfonds und Partnerinstitutionen. Und: über 450 Projekte und bis zu 2.000 Veranstaltungen füllen das Programm mit Leben.

Und was hat das mit Demokratie zu tun?

Eine ganze Menge. Denn:

  • Designprozesse sind per se demokratisch, wenn sie inklusiv gedacht sind.
  • Gute Gestaltung ermöglicht Teilhabe, gerade für marginalisierte Gruppen.
  • Politische Prozesse werden durch Design verständlicher – etwa durch barrierearme Kommunikation oder smarte Verwaltungslösungen.

Wer gestaltet, der gestaltet mit – am Gemeinwesen, an der Stadt, am Miteinander.

Gerade junge Menschen erleben Demokratie oft als etwas Abstraktes – kompliziert, fern oder langweilig. Die WDC 2026 will das ändern: durch Räume, die offen sind für Experimente, für Fehler, für Mitgestaltung. Design wird hier zum Werkzeug, um politische Fragen greifbar zu machen. Wie gestalten wir eine inklusive Stadt? Wie sieht Bildung aus, die wirklich allen zugänglich ist? Und wie kommen wir ins Gespräch, wenn wir unterschiedlicher Meinung sind? Das sind keine Fragen für Eliten – das sind Fragen für alle. Und genau hier setzt die Kraft guter Gestaltung an: Sie schafft Verbindungen, wo Sprache allein manchmal nicht ausreicht.

World Design Capital 2026 WDC 2026 hat einen eigenen Stand auf dem Festival El Barrio am Museum Angewandte Kunst (MAK) im Rahmen des Museumsuferfests. Angeboten werden verschiedene Workshops wie Hockerbau und Siebdruck. Aufgenommen am 24.08.2024

Die fünf Schwerpunkte für Demokratie zum Mitmachen

Die WDC 2026 ist thematisch clever organisiert. Jeder Abschnitt des Jahres widmet sich einem gesellschaftlich relevanten Thema:

1. Lebensräume gemeinsam gestalten
Von klimafreundlichem Bauen bis urbanem Gärtnern – hier geht’s um Wohnen, Mobilität und Teilhabe im öffentlichen Raum.

2. Lernen neu denken, Gestaltung erforschen
Schulen, Hochschulen, Stadtplätze werden zu Lernorten. Bildung wird partizipativ, kreativ und lebensnah gedacht.

3. Kreisläufe der Zukunft
Design trifft Handwerk, Industrie und Nachhaltigkeit. Wer hat gesagt, Kreislaufwirtschaft sei unsexy?

4. Mit allen Sinnen
Musik, Bewegung, Digitalität, Sport: Demokratie wird hier zum Erlebnis – inklusiv, interaktiv, körperlich spürbar.

5. Design im Dialog – in Politik und Gesellschaft
Klingt trocken? Ist es nicht. Hier treffen sich Designer:innen und Entscheider:innen bei Konferenzen, entwickeln Zukunftsstrategien und bauen an der demokratischen Infrastruktur von morgen.

Skizzen/Illustrationen des World Design Capital 2026 WDC 2026 Pavillon von Constructlab

Demokratie to go: Die Highlights

Ein paar Beispiele gefällig?

  • Der Weidenpavillon in Offenbach schafft Schatten und Zusammenhalt – gebaut von Bürger:innen für Bürger:innen .
  • Die AdaKantine in Frankfurt serviert Drei-Gänge-Menüs aus geretteten Lebensmitteln – mit Designmöbeln, die gemeinsam entwickelt und gebaut wurden .
  • In Wiesbaden entsteht mit dem Superblock Rheingauviertel eine autofreie Oase auf Initiative von Jugendlichen .
  • Beim Projekt „How to Design a Revolution“ im Museum Angewandte Kunst trifft Chiles Geschichte auf gestalterischen Widerstand .
  • Und das Tanzfestival Moving Democracy fragt: Wie sieht gelebte Demokratie aus, wenn Körper sprechen? 

Bottom-up + Top-down = Zukunft

Die WDC 2026 setzt auf ein duales Prinzip:

Bottom-up: Bürger:innen gestalten mit. Über Open Calls, Workshops, Nachbarschaftsprojekte. Ideen entstehen dort, wo Menschen wohnen, lernen, arbeiten – direkt vor Ort. Ob beim Urban Gardening, im Kiez-Kiosk oder beim Schulprojekt: Die besten Lösungen kommen oft „von unten“.

Top-down: Verwaltung und Politik denken mit. Es geht um Chief Design Officers, den Design Action Plan 2030 oder neue Bildungsformate. Denn nachhaltige Veränderung braucht auch strukturelle Rückendeckung – damit gute Ideen nicht in Schubladen verstauben. Die Region testet, wie Design als strategisches Werkzeug in Verwaltungen verankert werden kann.

Die Botschaft: Demokratie lässt sich nicht nur wählen – sie lässt sich gestalten. Im besten Fall gemeinsam. Von oben und von unten.

Fazit: Gestaltung ist Gesellschaftspolitik

Die World Design Capital 2026 ist kein Designfestival für Hochglanzmagazine, sondern eine Einladung an alle. Eine Einladung zum Mitgestalten, Mitdiskutieren und Mitverändern.

Neugierig geworden? Hier geht’s zur offiziellen Website: wdc2026.org 


Chrissy Kalla

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